Kfarwät Schpurä / Farbige Spuren / Tracce colorate
Anna Maria Bacher

Kfarwät Schpurä / Farbige Spuren / Tracce colorate

Gedichte Deutsch, Walserdeutsch und Italienisch

Übersetzt von Kurt Wanner / Mit einem Vorwort von Silvia Dal Negro

152 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Mai 2011
SFr. 38.–, 38.– €
sofort lieferbar
978-3-85791-625-0

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Die Gedichte der aus dem Pomattertal / Val Formazza, Italien, stammenden Anna Maria Bacher geniessen mittlerweile in weiten Kreisen ein hohes Ansehen, nicht zuletzt durch die Vertonungen durch Peter Roth, Heinz Holliger, Martin Derungs und Thüring Bräm. Anna Maria Bacher verfasst leise, oft melancholische Gedichte – klar und spröd, manchmal geräuschhaft und unsentimental –, zur inneren und äusseren Natur, zu Empfindungen und Begegnungen in ihrem Tal. Sie schreibt auf «Titsch», einem Walser Dialekt mit herbem alemannischem Charme, der in den italienischen Alpentälern langsam verschwindet, und auf Italienisch. Anna Maria Bacher ist überzeugte Botschafterin der Walser Kultur. Die in diesem Band versammelten sechzig Gedichte sind grösstenteils unveröffentlicht, dazu kommen etwa ein Dutzend aus dem vergriffenen Band «Gägäsätz – Gegensätze – Contrasti».

«Die Begegnung mit Bachers Lyrik war für mich wie ein Naturereignis, ein Gewitter, ein Hagel.» Heinz Holliger

Anna Maria Bacher
© Daniel Vass

Anna Maria Bacher

Anna Maria Bacher, geboren 1947 in Gurfulu/Grovella im piemontesischen Pomattertal/Val Formazza. Ausbildung am Colleggio Rosmini in Domodossola. Lehrerin in Zumstägg/Ponte. Dort lebt sie mit ihrer Familie und widmet sich neben der Haus- und Gartenarbeit vor allem der Erhaltung und Förderung ihrer heimatlichen Walserkultur. Sie wurde für ihre literarische Arbeit mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kulturpreis der Enderlin-Stifung. Seit 1983 erschienen mehrere Bücher und Hörbücher.

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Kurt Wanner

Kurt Wanner

Kurt Wanner wurde 1943 in Chur geboren und war bis 1990 Lehrer in Splügen. Danach betreute er während fünfzehn Jahren das Sekretariat der Walservereinigung Graubünden. In seiner publizistischen Tätigkeit beschäftigt er sich vor allem mit geschichtlichen, volkskundlichen und anderen kulturellen Themen im Alpengebiet. Heute lebt er in der Südostecke des  Piemonts.
Wichtigste Veröffentlichungen: Splügen, ein Dorf, ein Pass, eine Landschaft (mit dem Fotografen Herbert Maeder, Splügen 1972); Unterwegs auf Walserpfaden (Chur 1989); Der Himmel schon südlich, die Luft aber frisch (Chur 11993, 22006); Paolo Pola. Leben und Werk (Locarno 1998); Bettina von Arnims Briefwechsel mit Philipp Hössli (Frankfurt a. M. 1997); Annemarie Schwarzenbach und ihre Zeit in Graubünden (mit der Fotografin Marianne Breslauer, Chur 1997); Lo Spluga – il passo sublime (Chiavenna 2005).
Für sein Schaffen wurde er 1988 mit dem Preis der Kulturstiftung Martin-Peter Enderlin, 1992 mit einem Anerkennungspreis des Kantons Graubünden und 2000 mit dem Bündner Literaturpreis ausgezeichnet. 2005 erhielt er das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Splügen.

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Siwär Frind? | Sind wir Freunde? | Siamo parenti?

Siwär Frind?

Der Herbscht het?chi pschtellt.
Êtz, schtêll,
lögäwär änandrä.
Är jêt:
– Dü glichäschtmär,
siwär Frind? –
Êch tö t Öigä tzö
un ärlachä.
Ineimaal
tretärmi fort
im ä Wêrbul Wênn.

5 Utuber 2007

Sind wir Freunde?

Der Herbst steht still.
Jetzt, reglos,
schauen wir einander an.
Er sagt:
– Du gleichst mir,
sind wir Freunde? –
Ich schliesse die Augen
und lächle.
Unverhofft
trägt er mich fort
in einem Wirbelwind.

5. Oktober 2007

Siamo parenti?

L’autunno si è fermato.
Ora, immobili,
ci guardiamo.
Egli dice:
– Tu mi assomigli,
siamo parenti? –
Io chiudo gli occhi
e sorrido.
Improvvisamente
mi porta via
in un vortice di vento.

5 ottobre 2007

St. Galler Tagblatt, 20. Juni 2011
Die Zeit (Gedichtabdruck), 22. Juni 2011
Schweizer Radio DRS 2, Reflexe, 4. Juli 2011
Neue Zürcher Zeitung, 19. Juli 2011


«Anna Maria Bacher schreibt in dieser archaischen Sprache die wundersamsten, musikalischen, naturverbundenen Versen.»  St. Galler Tagblatt

«Ihre Sprache riecht wie alemannische Worte, die man über die Jahrhunderte hinweg an den Felsen von Piemont geschliffen und zwischen Tau und Alpenkräuter eingelegt hat: kühl und furchig, on the rocks und moosig, mit einem Geschmack von Vanitas im Mund.»  Neue Zürcher Zeitung

«Auch für dialektsprechende Deutschschweizer ist es nur schwer verständlich – es verzaubert dafür umso mehr. Anna Maria Bachers Gedichte sind melancholisch aber unsentimental, spröd und klar und erzählen vom Alltag im engen Tal.»  DRS 2, Reflexe

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