Laure Wyss
Barbara Kopp

Laure Wyss

Leidenschaften einer Unangepassten

352 Seiten, 14 x 21 cm, gebunden mit Schutzumschlag, 12 s/w Fotografien
Juni 2013
SFr. 44.–, 44.– € / eBook sFr. 39.95
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978-3-85791-697-7

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Laure Wyss (1913―2002) führte das Leben einer alleinerziehenden, berufstätigen Frau zu einer Zeit, als dieser Lebensentwurf nicht vorgesehen war. Sie wehrte sich gegen die Benachteiligung als Mutter eines außerehelichen Kindes, als Journalistin kämpfte sie für die Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frauen. Sie wurde zu einer Medienpionierin und Wegbereiterin der heutigen Gesellschaft.
Sie heiratete den Architekten Ernst Zietzschmann und zog mit ihm nach Stockholm. Während des Zweiten Weltkriegs übersetzte sie kirchliche Widerstandsschriften. Nach dem Krieg folgten die Scheidung, die Geburt ihres Sohnes und die Berufstätigkeit in Zürich: Für freisinnige Tageszeitungen gab sie eine Frauenbeilage heraus, für das Schweizer Fernsehen entwickelte sie das «Magazin der Frau» sowie die erste Diskussionssendung, und 1970 war sie Mitbegründerin des «Tages-Anzeiger Magazins». Sie förderte junge Autoren wie Niklaus Meienberg, Jürg Federspiel, Hugo Loetscher, Peter Bichsel, Isolde Schaad, Mariella Mehr. Privat stand ihr der Publizist und Literaturwissenschaftler Karl Schmid nahe.
Nach ihrer Berufskarriere entstand ihr umfangreiches schriftstellerisches Werk. In ihren Büchern beschäftigte sie sich mit Lebensentwürfen von Frauen, mit biografischen Umbrüchen und dem Altwerden. Sie schrieb Gedichte und griff aktuelle gesellschaftliche Themen auf.
Brillant erzählt Barbara Kopp den Werdegang dieser leidenschaftlichen Frau, die durchlebte, worüber sie schrieb. Ihre Biografie zeigt ein exemplarisches Frauenleben und zugleich ein Stück Schweizer Medien- und Mentalitätsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg.

Barbara Kopp
© Andreas Schwaiger

Barbara Kopp

Barbara Kopp, geboren 1964, studierte in Zürich Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalistin für Printmedien und das Schweizer Fernsehen. Heute ist sie Dozentin, leitet journalistische Schreibwerkstätten und schreibt Bücher.

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Wollen dürfen
Wollen können I

Wollen können II

Einfärbungen

Solo für Cello

Berliner Wege
Davoser Weg

Stockholmer Wege

In grauen Stunden I
In grauen Stunden II

In grauen Stunden III

Profil eines Verdächtigten

Profil einer Widerständischen

Versprechungen
Verstrickungen

Vorhaltungen

Lebensstandard einer Frau I

Lebensstandard einer Frau II

Archiv der Absagen

Spießrutenlaufen I

Spießrutenlaufen II

Mutters Geburtstage

Eine geteilte Liebe
Protokoll einer geteilten Liebe

Überprüfung der geteilten Liebe

Ungebundenes Tagebuch I
Ungebundenes Tagebuch II

Ungebundenes Tagebuch III

Ein Tag mit Beigeschmack I

Ein Tag mit Beigeschmack II

Ansichten aus der Ferne

Bedarf, Bedürfnis I
Bedarf, Bedürfnis II
Bedarf, Bedürfnis III

Bedarf, Bedürfnis IV

Deutungshoheit
Deutungsfreiheit

Deutungswandel

Fragen an Frauen jeden Alters

Antwort einer modernen Frau

Häutungen

In düsteren Stunden

Kochen I
Kochen II
Kochen III

Kochen IV

Feststellungen I, Jean-Paul Marchand
Feststellungen II, Paula Lotmar
Feststellungen III, Leo König
Feststellungen IV, Nikolaus Wyss
Feststellungen V, Nikolaus Wyss
Feststellungen VI, Nikolaus Wyss
Feststellungen VII, Nikolaus Wyss
Feststellungen VIII, Hans Manz

Lebensstandard einer Frau I

(...) Häufig fuhr der Beistand zum Hausbesuch in die Arbeiterviertel. Viele Mütter arbeiteten in den Fabriken als Stanzerinnen, Sortiererinnen, Packerinnen, Zuschneiderinnen, bedienten als Saaltöchter und Buffetdamen oder hatten sich in einem Heim eine Stelle als Köchin erkämpft. Die besser Ausgebildeten hatten Anstellungen in Kaufhäusern und Büros. Wie viele unverhei-ratete Mütter in der Stadt Zürich lebten, konnte der Beistand nur vermuten. Bei der Volkszählung erfragten die Verantwortlichen bloß die Kinderzahl der Verheirateten und Verwitweten. Das Statistische Amt der Stadt rechnete im Jahr 1950 grob mit 1700 ledigen Müttern.

Nach der Unterredung mit dem Fürsprecher machte der Beistand an der Kirchgasse in der Zürcher Altstadt unangemeldet seinen Hausbesuch.

 

«Frau Wyss ist nicht zu Hause. Dafür treffe ich meinen Schützling mit seiner sehr bejahrten Pflegerin. Diese zeigt mir die kleine 2-Zimmerwohnung und Nickolaus, wie er genannt wird, schläft in einem sauberen antiquen Bettchen. Die Pflegerin sagt aus, dass der Kleine gut daran sei, was ich auch selber feststelle. Die kleine Wohnung macht sehr sauberen, gepflegten Eindruck, was auf einen guten Lebensstandard schließen lässt.»

 

Er bemerkte das altgediente Kinderbett, die Enge der Altstadtwohnung und das Alter der Betreuerin, vieles wies auf materiell bescheidene Verhältnisse hin, aber der «Lebensstandard», den er nachweisen musste, war nicht wirtschaftlicher Art. Wer die Wohnungsmiete bestritt, den Lohn der Betreuerin, wer Essen, Strom und Heizung bezahlte, ob die Mutter aus eigener Kraft für sich und das Kind aufkam oder ob sie die Hilfe der Familie brauchte, für den Beistand war solches nicht von Belang. Für ihn zählte der Zustand des Kindes und seines Bettes, sie ließen auf mütterliche Pflege schließen, die Aufgeräumtheit der Wohnung auf hausfraulichen Sinn. Die Abwesenheit der Mutter wertete er nicht nachteilig; für die Betreuung des Kindes war gesorgt. Nichts hatte der Augenschein an den Tag gebracht, was der Beistand gegen die Mutter hätte anführen können, keinen Beweis, der «pflichtwidriges Verhalten» und eine «Gefährdung» des Kindes offenbart hätte. Die Befragung der Mutter war durchgeführt, Resultat eine verweigerte Aussage. Die Unterredung mit dem Fürsprecher durchgeführt, Resultat kein verwertbarer Hinweis. Ein Vaterschaftsprozess konnte nicht eröffnet werden. Da griff der Beistand zum letzten Mittel und beauftragte einen «Erkundigungsbeamten» des städtischen Wohlfahrtsamtes, er solle dem Lebenswandel der Mutter nachspüren, beim Hausabwart sondieren, die Nachbarn ausfragen und beim früheren Arbeitgeber nachforschen. Der «Erkundigungsbeamte» teilte dem Beistand mit:

 

«Frau Wyss gs. Zietzschmann habe an obiger Adresse durch nichts die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Sie sei dem Erwerb als Journalistin nachgegangen und habe sich im Hause anständig und ruhig verhalten.

Wochen-, ja monatelang sei sie oft beruflich abwesend gewesen und habe dann wiederholt die Wohnung Bekannten zur Benützung überlassen. Besuch habe sie oft gehabt, doch sei in Anbetracht ihres Berufes nie extra darauf geachtet und sie sei als seriös eingeschätzt worden. Ihre Rückkehr nach monatelanger Abwesenheit in England im Februar d. J. mit dem Knaben Oliver [Philipp Nikolaus] habe Erstaunen hervorgerufen. Anhaltspunkte betr. der Vaterschaft fehlen. Frau Wyss sprach sich angeblich auch nicht an ihrem Arbeitsort, dem Schweiz. Evang. Pressedienst, Stampfenbachstr. 114, wo sie 2 1 2 Jahre bis im Herbst 1948 tätig war und für welchen Dienst sie heute Aufträge erhält, über den Vater des Kindes aus. Vermutungen sollen vorliegen, doch fehle jedes Beweismaterial, sodass man dieselben nicht aussprechen möchte. Es wird allgemein die Ansicht vertreten, dass Frau Wyss, eine intelligente, geschulte, charakterlich anständige Person, ihrem Kind eine gute Pflege und eine gute Erziehung zuteil werden lasse. Mutterliebe und Pflichtbewusstsein sollen vorliegen. Das Kind bedeute der Frau nun den Lebensinhalt.»


Resultat wieder dasselbe, «Frau Wyss sprach sich angeblich ... nicht ... aus». Dem «Erkundigungsbeamten» erschien jedoch zweifelhaft, ob der eine oder andere unter den Befragten nicht mehr wusste, als er äußerte. Möglicherweise ärgerte ihn die Belehrung beim Pressedienst, dass Spekulationen noch keine Tatsachen seien.

Nach zweimonatiger Bearbeitung des Falles meldete der Beistand der Vormundschaftsbehörde seinen Misserfolg.

«Es scheinen tatsächlich die Umstände so zu liegen, dass der Kindsvater keinesfalls genannt werden soll. Wohl bestehen Vermutungen über dessen Person, doch ist es mir nicht gelungen, Näheres über ihn zu erfahren.

Bei meinem Hausbesuch an der Kirchgasse 33 konnte ich feststellen, dass mein Schützling gut aufgehoben ist und eine vorzügliche Betreuung erfährt. Auch der Bericht unseres Erkundigungsdienstes, den ich hier beilege, kann nichts Näheres mitteilen.»


Die Vormundschaftsbehörde entschied, die Uneinsichtige vorzuladen, sie unter Druck zu setzen. Ein «Einvernahmeprotokoll» wurde erstellt und ihr zur Unterschrift vorgelegt.

 

Die Zeit, 13. Juni 2013
Transhelvetica, 17. Juni 2013
EMMA, Juli/August 2013
Die Wochenzeitung (WOZ), 13. Juni 2013
Bündner Tagblatt, 19. Juni 2013
Neue Luzerner Zeitung, 19. Juni 2013
Bieler Tagblatt, 19. Juni 2013
Neue Zürcher Zeitung, 20. Juni 2013
Tages-Anzeiger, 20. Juni 2013
Basler Zeitung, 20. Juni 2013
Aargauer Zeitung, 20. Juni 2013
Berner Zeitung, 20. Juni 2013
St. Galler Tagblatt, 20. Juni 2013
Kultur kompakt, SRF 2, 20. Juni 2013
Echo der Zeit, SRF 1, 20. Juni 2013
Reflexe, 20. Juni 2013
Nordwestschweiz, 20. Juni 2013
Süddeutsche Zeitung, 21. Juni 2013
Der kleine Bund, 24. Juni 2013
Schweizer Buchhandel, 27. Juni 2013
Schweizer Familie, 25. Juli 2013
Bücher am Sonntag, 30. Juni 2013
Literatur & Kunst, 1. Juli 2013
Work, 5. Juli 2013
SRF 3 Radio, 1. August 2013
Fixpoetry.com, 6. August2013
syndicom, Nr. 13, 6.September 2013
Buchhaus.ch, September 2013
Frauenstimme, Nr. 3, September 2013
art-tv, 18. September 2013
frauenforum, Oktober 2013
Virginia, Nr. 53, Oktober 2013

«Was Barbara Kopp mit ihrer glänzend geschriebenen Arbeit präsentiert, ist mehr als nur der Gang durch die Jahre einer bedeutenden Journalistin und Autorin. Zum Lesevergnügen trägt wesentlich bei, dass Barbara Kopp die Stationen dieses Lebens immer wieder in scharf konturierte Tableaus unterteilt und gekonnt inszeniert. Daraus werden gleichsam Momentaufnahmen einer Epoche, die enorme Veränderungen erlebt hat: Mit ihrem bewegten Leben erscheint Laure Wyss vor dieser Folie wie ein Seismograf. Was an Leben und Werk der Wahlzürcherin noch immer fasziniert, ist denn auch ihre unermüdliche und nie triumphierende Reibung mit gesellschaftlichen Realitäten.» Neue Zürcher Zeitung

«Beide Bücher könnten eine Einladung sein, sich mit der Prosa und der Poesie von Laure Wyss zu beschäftigen. Kopp selbst geht auf das schriftstellerische Schaffen der in dieser Beziehung Spätberufenen kaum ein, sondern konzentriert sich auf Berufliches, Privates und Gesellschaftliches im Dasein der Laure Wyss.» Bieler Tagblatt

«Kopp zeichnet in einer jetzt zum 100. Geburtstag erschienenen Biografie das Leben von Laure Wyss nach. Sie ist den Spuren nach Schweden und Berlin gefolgt, schildert die Jahre ihrer Ehe, schöpft aus privaten Quellen, kleinen Merkzetteln und Briefen des Sohnes, Tagebuchblättern und behält immer den Bezug zur Zeit und zu ihrer Mentalität im Auge.» Neue Luzerner Zeitung

«Überzeugend zeigt Barbara Kopp, wie Laure Wyss die soziale und politische Entwicklung der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte und erlitt, aber auch mitgestaltete. (...) Wenn Barbara Kopp sich eingehend mit dem Privatleben von Laure Wyss befasst, geschieht dies stets im Blick auf das öffentliche Wirken der Journalistin, das eng mit den persönlichen Erfahrungen einer Frau dieser Zeit verbunden war.» Tages-Anzeiger

«Es ist ein weiteres Highlight von Barbara Kopps Biografie, wie sie Laure Wyss' vermittelnde Rolle zwischen den altgedienten Kämpferinnen fürs Frauenstimmrecht und den neuen Feministinnen subtil nachzeichnet.» Basler Zeitung

«Wie Barbara Kopp sich der Pionierin des weiblichen Journalismus in der Schweiz mit professioneller Distanz nähert: Sie stellt lieber Fragen, als sich Antworten anzumassen. Sie zeigt, was Laure Wyss nicht an die grosse Glocke hängte, bietet an, sich selbst ein Bild zu machen von den Umständen, unter denen Laure Wyss schrieb.» St. Galler Tagblatt

«Ohne Voyeurismus bringt Barbara Kopp auich Privates ans Licht. Wyss hatte in Liebesdingen ebenfalls nicht die einfachsten Wege genommen. Sie verschwieg den Namen des Vaters ihres Sohnes wie auch ihre langjährige Beziehung zu Karl Schmid, Rektor der ETH Zürich, verheiratet mit der Schauspielerin Elsie Attenhofer. Eine starke, engagierte Biografie über eine starke, engagierte Persönlichkeit.» Schweizer Familie

«Den Fall Wyss öffentlich erinnern und bedenken, das heisst aber auch ein Stück Mentalitätsgeschichte ans Licht heben. Genau dieser Aspekt gelingt der Journalistin Barbara Kopp glänzend.» Die Weltwoche

«Eine spannende Lektüre, bei der es um Befindlichkeiten geht, die so nicht bekannt gewesen waren. Bitte lesen! Bitte verkaufen.» Schweizer Buchhandel

«Kopp zeigt Mut zur Lücke, erliegt nicht der Versuchung, ein Leben vollständig werden zu lassen. Ab und an verführt der grossen Fundus an privaten Aufzeichnungen die Autorin zwar zu Ausschweifungen über Figuren, die für Wyss' Leben nicht prägend waren. Die differenziert und gut geschriebene Biografie bleibt dennoch ein Lesevergnügen.» Bücher am Sonntag

«Ihre Biografie zeigt ein exemplarisches Frauenleben und zugleich ein reales Stück Schweizer Medien- und Mentalitätsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg.» Literatur & Kunst

«Im Buch über die Bieler Journalistin und Schriftstellerin, die vor 11 Jahren in Zürich gestorben ist, verdichten sich Dokumente ganz unterschiedlicher Quellen (Notizen von LW, Erinnerungen von Bekannten wie auch von ihrem Sohn, Zeitungsauszüge u.a.) zu einem homogenen, geistreichen Buch.» SRF 3

«Bereits der Titel macht deutlich, dass hier der Schwerpunkt auf die Inhalte gelegt wird, auf Widerstand und Leidenschaft. Die Zerrissenheit der Laure Wyss zwischen den eigenen Ansprüchen wird deutlich. Sehr detailreich zeichnet Kopp den Werdegang von Laure Wyss nach.» Fixpoetry.com

«In ihrem kürzlich erschienen Buch zeichnet die Journalistin, Dozentin und Autorin Barbara Kopp das Leben einer für die Schweizer Mediengeschichte eminent wichtigen Frau nach, die auch die Biografin beeinflusst hat. Mit ihrem Buch möchte Barabara Kopp einer jüngeren Generation näherbringen, wie Laure Wyss als alleinerziehende Mutter kämpfen musste, was sie für die Sache der Frauen und als Journalistin geleistet hat.» syndicom

«Brilliant erzählt Barbara Kopp den Werdegang dieser leidenschaftlichen Frau, die durchlebte, worüber sie schrieb. Ihre Biografie zeigt ein exemplarisches Frauenleben und zugleich ein Stück Schweizer Medien- und Mentalitätsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg.» Buchhaus.ch

«Das Buch ist Spurensuche und Erinnerungsfahrt durch viele Jahrzehnte. [...] Beim Lesen zeigt sich der Wandel der Werte und Bewertungen, vieles ist vertraut, aber anders zu interpretieren; das Erinnern formt sich neu.» frauenforum


art-tv über einem Abend zu Laure Wyss:

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