Ledig und frei
Daniela Kuhn

Ledig und frei

12 Porträts von Frauen, die nicht geheiratet haben

Mit Fotografien von Annette Boutellier

180 Seiten, 12 x 19 cm, gebunden, 28 vierfarbige Fotografien
Dezember 2012
SFr. 34.–, 38.– €
sofort lieferbar
978-3-85791-694-6

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Vom Leben als Fräulein

Hanni Stube blickt mit 99 Jahren auf vergangene Lieben zurück, Adelheid Senn war als Laborantin während dem Bürgerkrieg im Jemen und Eva Wohnlich hat ihre Freundin, mit der sie 32 Jahre lang das Leben geteilt hat, durch ein Inserat in der Annabelle kennengelernt: Zwölf Frauen, geboren in Küssnacht am Rigi, Berlin oder St. Gallen, die ihren Lebensabend im Zürcher Altersheim Klus Park verbringen, erzählen, wieso sie selbstständig und berufstätig geblieben sind und wie es früher war, als «Fräulein» zu leben.

Daniela Kuhn

Daniela Kuhn, geboren 1969, ist freischaffende Journalistin und Autorin.

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Annette Boutellier

Annette Boutellier

Annette Boutellier, geboren 1966 in Appenzell, aufgewachsen in Bern. Studium der klinischen Heilpädagogik an der Universität Fribourg, Sozialpädagogin in einer Aussenwohngruppe für Jugendliche der Kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik Neuhaus. Autodidaktische Ausbildung zur Fotografin und Assistenz bei verschiedenen Ausstellungen und Publikationen für Balthasar Burkhard. Absolventin des Lehrgangs Pressefotografie am Medienausbildungszentrum in Luzern. Lebt und arbeitet als freischaffende Fotografin in Bern.

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Was war Wahl, was Fügung?

Trude Walther, geboren 1922 in Zürich-Wiedikon

Frida Vollenweider, geboren 1920 in Toos TG

Emmeli Baer, geboren 1924 in Küssnacht am Rigi

Hanni Stube, geboren 1913 in Berlin

Adelheid Senn, geboren 1922 in Waldenburg BL

Susi Hunger, geboren 1936 in St. Gallen

Berta Kyburz, geboren 1923 in Zürich-Aussersihl

Sonja Kern, geboren 1929 in Zürich-Aussersihl

Schwester Fabiola, geboren 1922 in Muolen SG

Eva Wohnlich, geboren 1927 in Hohentannen TG

Antonia Rossi, geboren 1928 in Le Prese GR

Antonie Rüdt, geboren 1919 in Freiburg im Breisgau

Was war Wahl, was Fügung?

Im Sommer 2005 war ich erstmals im Altersheim Klus Park in Zürich-Hottingen. Zwei Kollegen und ich moderierten ein Erzählcafé, bei dem Bewohnerinnen in einer festen Gruppe zu einem vorgegebenen Thema von früher berichten. Die Idee erwies sich für alle Beteiligten als bereichernd, ich durfte sie daher auch in andere Stadtzürcher Altersheime tragen.

So oft wie im Klus Park war ich in keinem anderen Altersheim. Die Frauen baten nach sieben Treffen mehrmals um eine Fortsetzung. Der Wunsch war gegenseitig. Ich bin immer wieder gerne in die gemütliche Stube im ersten Stock gekommen, wo ich eine ganze Reihe von Frauen kennenlernte, unter ihnen auch einige besonders treue Seelen.

Das Erzählcafé wurde im Sommer 2011 aus finanziellen Gründen auf Eis gelegt. Kurz darauf entwickelte sich im Gespräch mit Erwin Künzli vom Limmat Verlag aber die Idee, über ledig gebliebene alte Frauen zu schreiben. In den Erzählrunden waren sie in der Mehrheit gewesen. Das hatte mich erstaunt, war doch der konventionelle Weg von Heirat und Familie in dieser Generation sehr verbreitet. Im Unterschied zu den verheirateten Frauen, die nach der Heirat oder spätestens nach der Geburt des ersten Kindes ausschliesslich zu Hause tätig waren, erzählten die Ledigen viel von ihrem Beruf. Manche hatten erst im Alter von dreissig oder vierzig Jahren eine eigene Wohnung. «Ich bin überhaupt erst nach dem Tod meiner Mutter, die ich bis zu ihrem Tod gepflegt habe, erwachsen geworden», sagte einmal eine der Frauen. Die meisten hatten ohne Liebesbeziehungen gelebt,oder sie sprachen nicht darüber. Sie hatten gute Freundinnen oder eine enge Frauenfreundschaft. Und doch waren sie ganz auf sich selbst gestellt, was nicht einfach war und mitunter hart. Sie genossen aber manches, was damals nicht selbstverständlich war. Sie unternahmen beispielsweise zahlreiche Reisen. Vor allem aber setzten sie ihre Fähigkeiten und ihr Engagement in ihrem Beruf ein, der ihnen einen Einblick in verschiedene Welten erlaubte. Manche machten sogar Karriere.

Doch ihr Platz in der Gesellschaft blieb am Rande. Das «Fräulein» wurde zwar toleriert, aber es haftete ihm etwas Gescheitertes, Unerfülltes an – die Verweigerung der klassischen Geschlechterrolle irritierte. Ich erinnere mich an meine Lehrerin in der ersten Primarschulklasse, die nicht verheiratet war. Ich mochte sie sehr, aber ich spürte als Kind: Da war etwas anders. Das «Fräulein» war in gewisser Hinsicht ein Mysterium. In jüngeren Jahren war es Projektionsfläche für Männer, für Frauen eine potenzielle Gefahr.

Wie ist es, ein der Norm nicht entsprechendes Leben geführt zu haben? Weshalb haben Frauen nicht geheiratet? Haben bestimmte Verhältnisse oder Erlebnisse dazu geführt? Oder ganz allgemein: Lässt sich sagen, was freie Wahl war, was Fügung? Zwölf ledigen Frauen, die heute im Altersheim Klus Park leben, durfte ich diese Fragen stellen. Ihre Antworten waren oft ausgesprochen dezidiert, klarer, als ich sie erwartet hatte.

Den Buchtitel habe ich gewählt, weil fast alle Frauen betonten, sie hätten «frei bleiben» wollen. Selbstbestimmung hat für sie mit Ledigsein zu tun.

Heute sind in der Stadt Zürich mehr als die Hälfte aller Wohnungen und Häuser von einer einzigen Person bewohnt. Natürlich nicht nur von Ledigen oder Singles, wie wir sie heute nennen. Nicht verheiratet zu sein hat eine andere Bedeutung erhalten, denn die Möglichkeiten der Lebensformen sind vielfältig geworden, der Anspruch auf ein erfülltes Liebesleben ist entsprechend hoch. Gerade deshalb interessierte mich, wie Frauen auf ein Leben zurückblicken, in dem es keine oder zumindest keine von aussen sichtbare Partnerchaft gab.

Die Arbeit an diesem Buch war für mich meine bisher schönste berufliche Erfahrung, denn meine Gesprächspartnerinnen öffneten mir weitaus mehr als die Türe zu ihrem Zimmer. Noch nie durfte ich so ausführliche und persönliche Gespräche führen, die das Leben mit seinen Möglichkeiten und Grenzen umkreisen, und somit letztlich die Frage nach seinem Sinn. Das hat mich fasziniert und berührt. Für ihr Vertrauen möchte ich den zwölf Frauen danken.

Daniela Kuhn
Züriberg, 13. Dezember 2012
Neue Zürcher Zeitung, 24. Dezember 2012
Tages-Anzeiger, 27. Dezember 2012
Buchmagazin.ch, 08. Januar 2013
Schweizer Illustrierte, 14. Januar 2013
Tages-Anzeiger, 16. Januar 2013
Sempacher Woche, 29. Januar 2013
Buchaviso, 1. Februar 2013
Gedankenspinner, 1. Februar 2013
Radio SRF, Sendung „Kultur Kompakt", 7. Februar 2013
EMMA, März/April 2013
P.S.-Buchbeilage, 14. März 2013
www.seniorweb.ch, 20. März 2013
buchmagazin.ch, April/Mai 2013 (Sonderausgabe Genf 2013)
TAXI-Magazin für Soziales, Juli 2013
Bündner Bauer, 6. Juni 2013
Rhiiblatt, 7. Juni 2013
Capricorn, Publikation des Bündner Kantonalverbandes der Senioren
Berner Zeitung, 23. Januar 2014

«Mitten in der politischen Diskussion um Engpässe in der Alterspflege setzt das Buch ‹Ledig und frei› von Daniela Kuhn einen Kontrapunkt: Die Journalistin lässt darin Frauen zu Wort kommen, die in Kriegszeigen gross geworden sind und trotz materiellem und gesellschaftlichem Druck nie geheiratet haben.» Neue Zürcher Zeitung

«Schilderungen aus einer Zeit, in der für Frauen ein selbstbestimmtes Leben noch nicht selbstverständlich war, der Begriff Emanzipation noch nicht existierte.» Schweizer Illustrierte

«Das Buch mit den Farbfotos gibt Einblick in eine vergangene Welt, in ein anderes Denken und Handeln. Es widerlegt dabei das gängige Vorurteil, wonach ‹Fräuleins› eigenbrötlerische, alte Jungfern seien, die einsam und zurückgezogen lebten. Im Gegenteil, diese Frauen zeichnen sich durch Offenheit und Kontaktfreudigkeit aus.» Tages-Anzeiger

«Spannende Lektüre für alle, die sich für Frauenschicksale interessieren.» Tages-Anzeiger

«Das Buch räumt auf mit Vorurteilen über ledige Frauen am Rande unserer Gesellschaft und weckt die Lust, solchen Frauen zu begegnen und noch mehr über ihr Leben zu erfahren. Ein Stück Geschichte, die mit dem Buch ins recht Licht gerückt wird.» www.seniorweb.ch

«Die Porträts der zwölf freiheitsliebenden Frauen gewähren Einblicke in eine fast vergessene Zeit.» Taxi-Magazin für Soziales

«Das Buch enthält keine romanartige Lektüre und liest sich doch in einem Zug.» Bündner Bauer

«Das Buch von Daniela Kuhn bringt uns Frauen- und Sozialgeschichte des vergangenen Jahrhunderts näher. Es öffnet Türen zu den Zimmern und Herzen einiger Frauen im Altersheim.» Capricorn

«Fesselnd wie ein Roman lesen sich diese zwölf „Lebensgeschichten von Frauen, die nie geheiratet haben". Einfühlsam und respektvoll porträtieren die Gesprächsprotokolle mit Farbfotos von Annette Boutelier die profilierten Frauen.» Berner Zeitung
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