Nach Amerika
Leo Schelbert, Susann Bosshard-Kälin

Nach Amerika

Lebensberichte von Schweizer Auswanderern

276 Seiten, 16 x 24 cm, gebunden, 43 Fotos farbig
Februar 2014
SFr. 38.–, 42.– € / eBook sFr. 33.95
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978-3-85791-710-3

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Albert Daub, Coiffeurssohn aus Zürich-Aussersihl, seifte als Knabe samstags die Bärte der Kunden ein im väterlichen Salon, wo der «Freidenker» und das «Volksrecht» auflagen. Er lernte in der Zürcher Buchhandlung, in der James Joyce fast täglich vorbeikam und die Dadaisten das Telefon benutzen durften, Buchhändler, wanderte 1922 aus, und eine Stunde, nachdem er in New York City das Schiff verlassen hatte, arbeitete er bereits in der deutschen Abteilung einer grossen Buchhandlung und wurde später Verleger. Sie kamen aus Basel, Neuhausen, Chur oder Unterwasser, sie waren Bauern, Banker, Liftboy oder Käser und wurden Farmer, Professor, Wirt oder Fotograf in New York City, Aspen oder New Glarus. «Nach Amerika» dokumentiert 15 Auswanderergeschichten, erzählt von den Auswanderern selbst. Neun davon hat Susann Bosshard-Kälin nach Gesprächen aufgeschrieben, Leo Schelbert hat sechs autobiografische Texte ins Deutsche übertragen.

Leo Schelbert
© Limmat Verlag

Leo Schelbert

Leo Schelbert, geboren 1929, war zuerst Gymnasiallehrer, dann studierte er in New York amerikanische Geschichte mit Schwerpunkt Einwanderung. 1966 Promotion an der Columbia Universität. Er lehrte von 1963 bis 1969 an der Rutgers Universität in Newark, New Jersey, und nach zwei Forschungsjahren in der Schweiz von 1971 bis 2003 an der Universität von Illinois in Chicago. Er ist Autor und Herausgeber verschiedener Bücher und zahlreicher Artikel und lebt mit seiner Familie in Evanston, Illinois.

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Susann Bosshard-Kälin
© Limmat Verlag

Susann Bosshard-Kälin

Susann Bosshard-Kälin, geboren 1954, lebt als Autorin und Journalistin in Egg bei Einsiedeln. Mehrere Buchpublikationen, u. a. mit Leo Schelbert: «Westwärts. Begegnungen mit Amerika-Schweizerinnen». Leo Schelbert, geboren 1929, lehrte an den Universitäten in Newark und Chicago.

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Nach Amerika

Gesprächsprotokolle

«Ich fühlte mich auf einmal zu Hause in New York.»
Philip Gelzer, 1927
Von Basel-Stadt nach Greensboro, North Carolina

«Ich trage den roten Schweizer Pass im Herzen.»
Donald Tritt, 1931
Von Columbus, Ohio, nach Granville, Ohio

«Amerika war damals für viele Schweizer ein Traum.»
Heinz Bachmann, 1933
Von Neuhausen am Rheinfall nach Comus, Maryland

«Mit Touristenvisum eingereist, gelang es mir, eine Farm zu kaufen.»
Jürg Padrutt, 1936
Von Chur nach Decatur, Illinois

«Englisch sprach ich nicht, aber Amerika war mein Traum.»
Albert Zeller, 1939
Von Mosnang nach Peoria, Illinois

«Ich wollte raus, weg aus der Enge, so schnell wie möglich.»
Franz Portmann, 1940
Von Günikon-Hohenrain nach Hockessin, Delaware

«Ich stand bei der Golden Ga te Bridge und sagte mir: ‹Ichglaube, ich bin nie mehr Elektriker!›»
Stefan Kälin, 1942
Von Einsiedeln nach Aspen, Colorado

«Die Beamten schrieben ‹Bear› ins Formular, und seit da heisse ich ‹Bear›.»
Ruedi Bear, 1944
Von Wädenswil nach Mancos, Colorado

«Verrückt, ich der unerfahrene Bergbub, durfte nach Amerika
Hans Lenzlinger, 1947
Von Unterwasser nach New Glarus, Wisconsin

Autobiografische Berichte

«Amerika hat mir in meinem Leben vieles ermöglicht.»
Albert Daub, 1899–1991
Von Zürich nach Westwood, New Jersey

«Ich kam doch nicht nach Amerika, um Tellerwäscher zu werden.»
Paul Grossenbacher, 1904–1990
Von Burgdorf nach New Glarus, Wisconsin

«Ich versicherte ihm, ich hätte keine Absicht, in Amerika zu bleiben.»
Gustav T. Durrer, 1911–2001
Von Luzern nach New York City

«Ellis Island war ein Gefängnis, darüber bestand kein Zweifel.»
Walter Angst, 1919–1999
Von Zürich nach Silver Spring, Maryland

Nach Amerika

Im Jahre 2000 lebten fast 700000 Menschen mit Schweizer Pass im Ausland – im 27. Kanton, wie es Leo Schelbert nennt. Nach Frankreich und Deutschland waren die USA mit 70000 Schweizer Immigranten das dritthäufigste Ziel der Schweizer, die es aus den verschiedensten Gründen ins Ausland zog. 1950 waren es noch weniger als 30000 gewesen, da die globale Wirtschaftskrise und die Jahre des Zweiten Weltkrieges Auswanderung zum Teil unmöglich machten.

Die Lebensgeschichten, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind einzigartig wie auch typisch. Sie sind eine kleine Auswahl aus ungezahlten Auswandererschicksalen, wie sie sich weltweit ereigneten und die ebenso in ihrer Verschiedenartigkeit aufgezeigt zu werden verdienten. Die vorgelegten Berichte stellen dreizehn Lebenswege von Auswanderern vor, deren Geschick nicht nur von ihrer Individualität, sondern auch von der schweizerischen und amerikanischen Umwelt des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt wurde. Zusammen mit Susann Bosshard-Kälins Frauen-Porträts in «westwarts. Begegnungen mit Amerika-Schweizerinnen» (in Englisch: «Westward: Encounters with Swiss American Women») setzt dieses Buch eine Dokumentation fort, wie diese auch in Leo Schelberts ‹Alles ist ganz anders hier›. Schweizer Auswandererberichte des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten oder in Peter Michael- Caflischs ««Hier hort man keine Glocken›. Geschichte der Schamser Auswanderung nach Amerika und Australien» auf Grund von Briefen vorgelegt wird.

Im Buch «Nach Amerika!» berichten neunzehn Schweizer Männer von ihrem Leben im Zeichen der Auswanderung in die Vereinigten Staaten des 20. Jahrhunderts. Im ersten Teil porträtiert Susann Bosshard-Kälin acht Auswanderer und einen in den Vereinigten Staaten geborenen Sohn eines Schweizer Auswanderers. Die Geschichten zeigen, dass in der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts Auswanderung beruflich geprägt wurde, da die kontinentale Eroberung zu Ende war und es eigentliche Siedlungswanderungen kaum mehr gab. Die Berichte sind keine abschliessenden Biografien, sondern subjektiv geprägte Aufzeichnungen aus Erzähltem, Erinnertem, Erfahrenem – Ausdruck von Freuden, Krisen, Verlusten, Erfolgen und Traumen. Die Gespräche, die den Lebensgeschichten zugrunde liegen, waren zu Beginn oft etwas verhalten und zögernd – als Mann einer fremden Journalistin das Leben zu erzählen ist kein Leichtes – wurden aber bald zu offenen und herzlichen Begegnungen. Oft, und oft unerwartet, rief das Erinnern Emotionen wach – ein besonderer Vertrauensbeweis.

Die vier Texte des zweiten Teils sind eine Auswahl von Lebensberichten, die Leo Schelbert über die Jahre hin angeregt und als Herausgeber der Zeitschrift der Swiss American Historical Society in englischer Fassung veröffentlicht hatte. Vier der von ihm übersetzten Texte werden hier in einer vom Verlag revidierten und gekürzten Form vorgelegt. Die von den Autoren approbierten autobiographischen Texte (wie auch die ins Englische übertragenen Portrats von Susann Bosshard-Kälin) sind vollständig im Buch «Emigrant Paths. Encounters with 20th Century Swiss Americans» enthalten, das von der Swiss American Historical Society 2013 veroffentlicht wurde.

«westwarts» und «westward» wie auch «Nach Amerika!» und «Emigrant Paths» hoffen verschiedene Aspekte des Auswanderungsgeschehens im 20. Jahrhunderts Lesern nahezubringen.

Susann Bosshard-Kälin/Leo Schelbert, im Januar 2014
Tages-Anzeiger, 7. März 2014
Swiss Migration News, 25. März 2014
Neue Zürcher Zeitung, 12. Oktober 2014

«Es sind sowohl einzigartige wie typische Auswandererschicksale des zwanzigsten Jahrhunderts, in dem Amerika wohl wie nie zuvor ein Traumland für viele Schweizer war.» Swiss Migration News

«Die Gründe, in die USA zu gehen, sind so unterschiedlich wie die Erfahrungen, über welche die Auswanderer berichten. Einige Geschichten sind anrührend, manche überraschend und wieder andere spektakulär.» Tages-Anzeiger
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