Die Rose und der Stein
Moritz Leuenberger

Die Rose und der Stein

Grundwerte in der Tagespolitik

176 Seiten, gebunden
November 2002
SFr. 30.–, 34.– €
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978-3-85791-399-0

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Schlagworte

Politik
     
Moritz Leuenberger leitet ein bewegtes Departement in einer Zeit des Umbruchs, das bringt hektische tagespolitische Situationen mit sich. Aber gerade in Zeiten des Umbruchs ist Orientierung wichtig: Worum geht es uns? Wie wollen wir leben? Wie begegnen wir unserer ungewissen Zukunft?

In seinen neuen Reden und Texten thematisiert Moritz Leuenberger das Spannungsfeld zwischen tagespolitischen Realitäten und den Grundfragen unserer Kultur und Zivilisation. Er thematisiert sie aus seinen konkreten Erfahrungen heraus, und er tut es wie schon in «Träume & Traktanden»: humorvoll und gescheit, lebendig und elegant.

Moritz Leuenberger ist ein Politiker mit Visionen und ein Humanist: Politische Entscheide dürfen nie unsere Grundwerte aus den Augen verlieren. Wie sichern wir heute Freiheit und Gleichheit, Solidarität, Menschlichkeit und Gerechtigkeit?

Die Reden wurden gelegentlich leicht gekürzt, wo tagesaktuelle Details nicht mehr leicht zugänglich waren. Die ganzen Texte sowie weitere, in diesem Buch nicht publizierte Reden können nachgelesen werden unter www.moritzleuenberger.ch

Moritz Leuenberger
© Urs Bucher (EQ Images)

Moritz Leuenberger

Moritz Leuenberger, geboren 1946. Bundesrat, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (uvek). 2001 und 2006 Bundespräsident. Rücktritt aus dem Bundesrat am 31. Oktober 2010

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Menschenrechte und Gotthardstau

«Der Bundespräsident zieht es offenbar vor, in einer Uno-Versammlung eine Rede zu den Menschenrechten zu halten, statt sich dem wirklichen Problem von uns Schweizern zu widmen, nämlich dem Stau am Gotthard.»

Ein Chefredaktor drückte aus, was viele immer wieder denken: Der Bundespräsident redet, statt dass er handelt, er widmet sich schönen Theorien statt der Tagespolitik.

Zuerst entrüstete ich mich: Was ist schon das Warten im Auto verglichen mit Folter und Mord? Doch, musste ich mir dann sagen, wir denken ja alle zuerst einmal an unsere eigenen praktischen Schwierigkeiten, bevor wir uns um Grundsätze kümmern. Tony Blair wurde vorgeworfen, er sei nicht gewählt worden, um gegen das Böse auf der Welt zu predigen, sondern um die Infrastrukturen von England wieder instand zu stellen. Der Ruf einer schweizerischen Parteipräsidentin nach einer Grundwertediskussion verklang ungehört im Lärm der Tagespolitik. Unmittelbare Bedürfnisse haben wir alle. Einen Politiker daran zu erinnern, dass er sich um die nahen Nöte zu kümmern habe, ist demokratisch und es ist auch richtig. Seine Aufgabe ist es, diesen Nöten zu begegnen und sie zu lindern.

Trotzdem bin ich mit der Intervention nicht einverstanden, weil sie nämlich die Menschenrechte gegen den Stau am Gotthard ausspielt und damit Grundwerte von so genannter Sachpolitik trennt. Dagegen wehre ich mich.

Das tagespolitische Ringen um Sachprobleme führt uns notwendigerweise zu unseren Grundwerten. Eine Autobahneröffnung gibt Gelegenheit zu fragen: Sollen wir für Zugvögel aus Dänemark, die ein Mal im Jahr in der Schweiz zwischenlanden, bevor sie nach Nordafrika weiter fliegen, einen Autobahntunnel für 150 Millionen Franken bauen? Oder wie viel dürfte denn ein solcher Tunnel kosten? Ist eine Klimaveränderung bewiesen? Wer muss sie beweisen? Das Nachdenken darüber zeigt, warum wir, obwohl wir alle um unsere Vergänglichkeit wissen, uns dennoch für das Leben aller Generationen einsetzen.

Wenn wir den Alltag gestalten und dabei überlegen, welche Entscheide wir treffen sollen, denken wir über die Folgen der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten nach: Wie reagieren die Betroffenen? Ist ein Entscheid rückgängig zu machen, wenn er sich als falsch erweisen sollte? Können spätere Generationen ihn rückgängig machen? Ahmen andere den Entscheid nach? Was hätte das wiederum für Folgen? Solche Fragen führen uns zu den Grundnormen einer Gesellschaft. So sind religiöse Gebote, philosophische Manifeste oder politische Erklärungen zustande gekommen, die Bergpredigt, die Charta der Menschenrechte, Staatsverfassungen.

Grundsätzliche Überlegungen darüber, wie die Menschen zusammenleben, welche Pflichten, welche Rechte sie haben, wie sie sich in der Natur verhalten sollen, sind auch bei der Totalrevision der Schweizerischen Bundesverfassung gemacht worden. Sie fanden ihren Niederschlag in der Präambel. Nach ihr habe ich die hier veröffentlichten Reden systematisch gegliedert. Damit möchte ich zeigen, dass die Einleitung unserer Verfassung eine konkrete Bedeutung für die Tagespolitik hat, dass es wertneutrale Sachpolitik nicht gibt, sondern sie sich stets an unseren Grundzielen misst.
Soll sich ein Bundespräsident also um die Menschenrechte oder um den Stau am Gotthard kümmern? In diesem Buch ist von beidem die Rede und davon, dass beides etwas miteinander zu tun hat.

Moritz Leuenberger
 
Neue Luzerner Zeitung, 2. Dezember
Tages-Anzeiger, 30. November 2002
St. Galler Tagblatt, 4. Dezember 2002

«Reden halten tut er mit so viel Engagement und Originalität, dass er dem Bundesrat, über seinen Rücktritt hinaus, als amtlicher Redenschreiber erhalten bleiben müsste. Und obwohl im Präsidialjahr notgedrungen zum Krisenredner mutiert, kommen seine Auftritte oft ausgesprochen lustig daher.» Tages-Anzeiger

«Moritz Leuenberger gefällt sich in der Rolle des Redners, der Wahrheiten über die vordringlichsten Fragen hinaus anzubieten hat. Mit dem Tonfall eines Predigers verfällt er zuweilen ins Moralisieren. Im Präsidialjahr 2001 hat er die Rolle des integrativen Landesvaters mit Lust perfektioniert. Nach ‹Träume & Traktanden› (2000) ist nun daraus das zweite Buch ‹Die Rose und der Stein› entstanden. Beweisen die Texte, was für ein guter Bundesrat Moritz Leuenberger ist? Oder im Gegenteil, dass er lieber schön redet als zielstrebig handelt? Zuerst einmal zeigt dieses Buch, wie der Magistrat die Rede als politisches Instrument in der Öffentlichkeit einsetzt. Darüber hinaus werben seine Ansprachen für ein Interesse am Staat und für gelebte Staatsbürgerschaft.» St. Galler Tagblatt

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Nov. 2000
978-3-85791-348-8
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