«In den wilden Bergschluchten widerhallt ihr Pfeifen»
Otto Meister

«In den wilden Bergschluchten widerhallt ihr Pfeifen»

Als Zürcher Ingenieur beim Bau der Yunnan-Bahn in Südchina 1903–1910

Übersetzt von Gabriela Zehnder / Mit einer Einleitung von Meister Ursula / Herausgegeben von Paul Hugger, Sylvia Agnes Meister

Das volkskundliche Taschenbuch [53]

224 Seiten, gebunden, 105 Fotografien, Abbildungen und Karten
September 2014
SFr. 38.–, 38.– € / eBook sFr. 34.–
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978-3-85791-677-9

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Eine der spektakulärsten Kolonialbahnen
Neben den britischen Eisenbahnstrecken im südlichen Afrika gehört die Yunnan-Bahn in Ostasien zu den ehrgeizigsten und spektakulärsten kolonialen Eisenbahnprojekten des vergangenen Jahrhunderts. Auf insgesamt 855 Schmalspurkilometern überquert der Zug von Haiphong (Vietnam) nach Kunming (China) nicht weniger als 173 Brücken und durchfährt 158 Tunnel. Viele Tausende der insgesamt 60 000 einheimischen und etwa 80 Arbeiter der europäischen Subunternehmer starben während des Baus der Eisenbahn, oft an Malaria.

Von 1903 bis 1909 arbeitete der Zürcher Ingenieur Otto Meister an der chinesischen Teilstrecke in der Provinz Yunnan bis zu ihrer Fertigstellung mit. Seine privaten Briefe und offiziellen Berichte geben einen fesselnden Einblick in den Alltag dieses gewaltigen Unternehmens in den Schluchten und Sümpfen Südchinas. Die Texte werden reich illustriert durch Bilder aus dem Fotoalbum Otto Meisters.

 

Sehen Sie sich den schönen ARTE-Dokumentarfilm über die Yunnan-Bahn auf youtube an:

Der zweite Teil dieses Dokumentarfilms startet von der chinesischen Grenzstadt Hekou aus. An Bord eines Güterzuges geht es durch die beeindruckende Berglandschaft der südchinesischen Provinz Yunnan über den Teil der Strecke, an der auch Otto Meister mitgebaut hat, u.a. an der berühmten ‹Menschenbrücke›, der «Seele der Bahn» (Zitat aus dem Film). Die ereignisreiche Reise endet in der Millionenmetropole Kunming.

 

Otto Meister
© Limmat Verlag

Otto Meister

Otto Meister, geboren 1873 in Horgen, Diplom als Ingenieur an der ETH Zürich. 1899 erste Reise nach China. Mitarbeit beim Bau der Yunnan-Eisenbahn. 1909 übernahm er die Vertretung der Firma Sulzer in Japan. 1921 Eröffnung des Sulzer-Firmensitzes in Shanghai. Otto Meister starb 1937 in Shanghai.

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Gabriela Zehnder

Gabriela Zehnder

Geboren 1955, lebt und arbeitet als freiberufliche literarische Übersetzerin aus dem Französischen und Italienischen im Tessin. Sie übertrug Werke von Autoren wie Ignacio Ramonet, Emmanuel
Bove, Jean­Luc Benoziglio, Adrien Pasquali, René Laporte, Muriel Barbery, Giuliana Pelli Grandini, David Bosc, Corinna Bille. Neben Prosatexten übersetzt sie auch Theater­stücke und Lyrik (u. a. Marielle Pinsard, Mario  Perrotta, Marie­Laure Zoss, Jacques Romand).

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Paul Hugger
© Yvonne Böhler

Paul Hugger

Paul Hugger, 1930–2016, Studium der Volkskunde, Ethnologie und Romanistik, em. Ordinarius für Volkskunde an der Universität Zürich. Zahlreiche Publikationen über Schweizer Fotografen, zur Alltagsfotografie, Herausgeber u. a. des Handbuchs der Schweizerischen Volkskultur, «Kind sein in der Schweiz. Eine Kulturgeschichte der frühen Jahre», Herausgeber der Reihe «Das volkskundliche Taschenbuch» und Mitherausgeber «FotoSzene Schweiz» im Limmat Verlag.

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Ursula Meister-Cardi · 9

Zu den Texten von Otto Meister
Von Paul Hugger · 55

«Eine der interessantesten Bahnen Ostasiens»
Bericht über den Bau der Yunnan Railway
Von Otto Meister · 65

«Die Kulis starben auch schon wie die Fliegen»
Briefe des Bahningenieurs Otto Meister aus Südchina · 100

«Die ganze Nacht hörte das Geknatter nicht auf»
Mit dem Schiff auf dem Jangtsekiang während der Bürgerkriegswirren 1929
Von Otto Meister · 187

Also im Februar war ich noch «Souschef adjoint» ...

Also im Februar war ich noch «Souschef adjoint» in A-Pé-Tsoun, km 127, 1300 m. ü. M. und fror zeitweise noch bedenklich. Da erhielt ich plötzlich vom Oberingenieur Dufour (ehemaliger Schweizer) einen Brief, der mich zum «Chef de brigade» ernann- te und mich anwies, sofort mit ca. 1 Dutzend Ingenieuren und Aufsehern nach der 2. Sektion aufzubrechen und dort, von km 74–85, die Studien zu vollenden. Die in Betracht kommende Ge- gend, im Tal des Nam-Ti, kannte ich nur vom Hörensagen. Klima eher schlecht als gut, besonders im Sommer. Aber da war eben nicht viel zu machen, übrigens war die schlechte Jahreszeit ja auch noch nicht angebrochen. Kurz, ich packte meine Sieben- sachen auf die Pferde und dampfte mit meinen neuen Gefährten ab, auf Abenteuer aus. Die liessen auch nicht lange auf sich warten.

Man hatte uns gesagt, bei km 80 sei ein Lager für uns bereit. Aber «pu ju», wie die Chinesen sagen, es war noch nicht angefan- gen. Also hiess es zuerst Häuser bauen. Ich fand bei km 79 hoch oben auf einem Felsenvorsprung einen hübschen Platz, Licht, Luft, Wasser waren da. In 2 Wochen waren die Baracken fertig. In der Zwischenzeit hatten wir in A-Pen, km 88, gehaust, zusam- mengepfercht wie Häringe, z. T. unter Zelten. Wir waren herzlich froh, unser neues «Heim» zu beziehen. Wir waren da allerdings recht in der Wildnis, weit ab von der Zivilisation. Unser Brot backten wir selbst, den Postdienst musste selbst einrichten, selbst Ochsen, Schweine, Ziegen kaufen, selbst den Doktor und Apo- theker machen. Nun wir befanden uns da ganz wol, und die Arbeit rückte vorwärts, und wir waren durchaus nicht angenehm überrascht, als am 18. iv. ein furchtbarer Sturm unser ganzes La- ger über den Haufen warf, wie Kartenhäuser. Wir verbrachten ei- nige schlimme Nächte in unsere nassen Decken gewickelt, nur notdürftig geschützt gegen Wind und Regen, unter den Ruinen unserer ehemaligen Herrlichkeit, bevor es mir gelang, die nötigen Pferde zum Umzug nach Pé-Ho, km 74, aufzutreiben, wo ein ver- lassenes Lager bestand.

Seitdem sind wir hier, mehr schlecht als recht. Das Lager ist zwar gut gebaut, liegt aber ganz unten im Tale, die Luft ist jetzt schon, im Mai, oft sehr heiss und feucht. Der fast tägliche Regen kühlt kaum, und die Sonne sticht nur umso mehr nachher. Wir haben daher auch immer viele Kranke, 20, 30, ja 40 %. Im Mittel kann man fast auf einen Viertel rechnen. Ich selbst befinde mich zwar wol, bin sogar einer von den 2 einzigen, die bis jetzt nie we- gen Krankheit zu Hause bleiben mussten. Aber die Aussicht war doch nicht hübsch, nachher noch, wie mir angezeigt worden war, noch in die 1. Sektion, die vielberüchtigte, wo auch Herr See- mann gewesen war, hinunterzusteigen.
Neue Zürcher Zeitung, 9. Dezember 2014
Ruizhong, April 2015
Tages-Anzeiger, 07. August 2015
DAMALS - Das Magazin für Geschichte, November 2015


«Obwohl von Abenteuerlust beseelt, zeichnen ihn Eigenschaften aus dem eidgenössischen Tugendkatalog aus: pünktlich, präzise und vernünftig. Vor allem aber hat Otto Meister einen erstaunlichen ethnografischen Blick; nichts entgeht seiner Aufmerksamkeit. Das Erlebte und Beobachtete bringt er mit gewandter Feder zu Papier.» Neue Zürcher Zeitung

«Zum Glück für die Nachwelt macht Otto Meister nicht nur Aufzeichnungen über das gewaltige Bauunternehmen, sondern beschreibt auch den Alltag in den Schluchten und Sümpfen im Süden Chinas.» Ruizhong

«Meister ist ein genauer und präziser Beobachter und ein talentierter Geschichtenerzähler.» Tages-Anzeiger

Otto Meister

Bilder vom Bau der Yunnanbahn

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Otto Meister vor seinem Haus an der Avenue Joffre 1394, 1920er-Jahre

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Karte der Bahn zwischen Lào Cai und Yunnansen (Kunming)

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Blick auf Lao-Kay (Thành phó/Lào Cai) und die Brücke über den Namti (Nâm Thi/Nanxi Hé), 1908

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Die sog. Menschenbrücke (nach dem chinesischen Zeichen für Mensch), an der Otto Meister mitgearbeitet hat. 1908

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Blick auf Lao-Kay (Thành phó/Lào Cai), 1908

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