Vor der Zeit
Beat Portmann

Vor der Zeit

Roman

TatortSchweiz

208 Seiten, gebunden
September 2014
SFr. 29.80, 29.80 € / eBook sFr. 23.–
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978-3-85791-752-3

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Literatur Krimi Luzern
     
«Geradezu kriminell gut!» lesefieber.ch

Eine legendenumrankte Handschrift aus dem mittelalterlichen Sizilien erhitzt die Gemüter. Steckt vielleicht doch mehr Islam in der Geschichte Europas, als wir wahrhaben wollen?

Zumindest behauptet dies ein renommierter Mittelalterforscher in einem Interview und gerät prompt zwischen die Fronten. Dubiose Kreuzzügler, Islamisten und Minarettgegner heften sich an seine Fersen – und mit ihnen der Erzähler und Krimiautor wider Willen im Auftrag eines öffentlichkeitsscheuen Mäzens. Doch wer zieht im Hintergrund die Fäden?

Während der Erzähler einem der bestgehüteten Geheimnisse der Geschichte auf den Grund geht, kommen ihm mehr und mehr Zweifel an seiner eigenen Existenz. «Vor der Zeit» ist ein überraschender Roman über das monotheistische Erbe Europas und über das Verhältnis von Offenbarung, Schrift und Literatur.

Beat Portmann
© Bujar Berisha

Beat Portmann

Beat Portmann, geboren 1976 in Luzern. Vorkurs an der Jazzabteilung der Musikhochschule Luzern, lebt als freier Autor und Singer/Songwriter in Luzern. Er wurde mit einem Werkpreis des Kantons und der Stadt Luzern ausgezeichnet.

Portmann über Portmann:
«Geboren 1976 in Luzern als Sohn eines Sakristans und ehemaligen Kartäusers und einer Bauerntochter aus ärmlichen Verhältnissen. Aufgewachsen unter dem Eindruck der Béton-brut-Sakralarchitektur Walter Maria Förderers. Mit zwölf an ein katholisches Internat in der Ostschweiz. Später Umzug nach Emmenbrücke, Wechsel an die Kantonsschule Reussbühl. Begegnung mit den Fremdarbeitern und der ‹dirty old town›, der vom Niedergang der Schwerindustrie gezeichneten Agglomeration. Reise nach Bosnien-Herzegowina wenige Monate nach dem Abkommen von Dayton. Ein Jahr vor der Matura die Schule geschmissen. Im folgenden Jahr zwei Romanentwürfe geschrieben, für Auszüge daraus einen Werkpreis des Kantons und der Stadt Luzern. Zivildiensteinsätze bei Bergbauern in den unzugänglichen Tälern der Zentralschweiz. Sakristan, Kindermädchen, Kellner. Veröffentlichung von Kürzestgeschichten, Gedichten und Aphorismen im Eigenverlag. Herumhängen an der Jazzschule, zuerst als notorischer Besucher der Workshopkonzerte, dann Allgemeine Abteilung und Vorkurs. Entwicklung des Kartenspiels ‹Jarmony›. Grandioses Scheitern bei der praktischen Aufnahmeprüfung. Sieben Jahre Gartenbau. Führerausweis (nebst Sakristanenschule in Einsiedeln einzige abgeschlossene Ausbildung). Beginn mit der Arbeit an ‹Durst›. Dann ‹Alles still›, ‹Wetterleuchten› für Volker Hesse, ‹Vor der Zeit›. Reisen nach Bosnien, Serbien, Kosovo, Sizilien, Andalusien, Marokko. Verschiedene kleinere Auftragsarbeiten.» Beat Portmann an Erwin Künzli, 17. Mai 2014

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Es war einer dieser unwirklichen Föhntage ...

Es war einer dieser unwirklichen Föhntage, an denen die Hitze direkt aus dem Innern des Planeten kommt und die Dinge mit einer Gewalt durchdringt, die sie stärker noch als die Schwer- kraft an die Erde bindet. Das Licht schien nicht von einem be- stimmten Punkt, der Sonne, auszugehen, vielmehr leuchteten die Gegenständen aus sich heraus – eine Überdeutlichkeit der Farben und Konturen, die schmerzte. Wie eine Luftspiegelung standen die Alpen über den Dächern der Stadt und ritzten mit ihren Firsten den Himmel, dessen Blau an alte kolorierte Post- karten erinnerte.

Ich saß in einer Gartenwirtschaft an der Reuss, trank und nahm gelegentlich von den Passanten Notiz, die im beschädig- ten Film meiner Wahrnehmung auftauchten und wieder ver- schwanden. Irgendwo erhielt das Rattern eines Pressluftham- mers das Prinzip ökonomischer Betriebsamkeit aufrecht, ansonsten lag Ruhe über den Gassen und Plätzen der Stadt. Schläfrig ließen sich Schwäne, Enten und Blesshühner strom- abwärts treiben. Die Hitze hatte den Tag in ein Negativ der Nacht verwandelt.

Ich legte mir Rechenschaft ab über mein Leben. Nicht aus Sen- timentalität oder Pflichtbewusstsein oder gar in der Absicht, eine Entscheidung zu treffen. Es war mir einfach zur Gewohnheit ge- worden. Seit meinem letzten veröffentlichten Roman waren bei- nahe neun Jahre vergangen. In diesen neun Jahren hatte mein Verlag mehrere Arbeiten abgelehnt, darunter eine siebenhundert- seitige Erzählung, die im Stil eines experimentellen Märchens von der Geworfenheit des Menschen in die Welt handelte. Mein Ver- leger hatte formelle Mängel vorgeschoben – «eine Geschichte muss sich aus sich selbst erklären» –, schließlich aber durchbli- cken lassen, dass er sich von mir etwas Verkäufliches wünschte, also noch einmal einen Kriminalroman.

Ich bestellte ein weiteres Bier. Menschen schlichen vorbei wie ihre bewusstlosen Doppelgänger. Ich ließ den Blick über die Häuserfront am jenseitigen Ufer schweifen und atmete den Seegeruch der Reuss – eine Ahnung von immer schattigen Buchten und sonnenglitzernden Wassern, von Fischen, Algen und dem Treibstoff der Motorboote.

Ich hatte mit einer Frau, die ich kaum kannte, ein Kind ge- zeugt, das ich so gut wie nie sah. Ich war mit den Alimenten- zahlungen um Monate im Rückstand und lebte mehr schlecht als recht von der Hinterlassenschaft meiner Mutter. Ich trank viel, und ich verwirrte meinen Geist regelmäßig mit dem Kon- sum von Cannabis. Trotzdem stand ich jeden Mittag auf und saß meine Stunden am Schreibtisch ab, feilte an Sätzen, rang um Worte, haschte nach flüchtigen Metaphern; brütete oft auch nur dumpf vor mich hin.

Es war kurz vor Feierabend. Die narzisstische kleine Stadt, seit jeher gegen Süden ausgerichtet, gefiel sich in der Nachah- mung ihrer mediterranen Vorbilder, Bühne und Protagonist der kultivierten Lebensart zugleich zu sein. Endlich konnten ihre alten Gemäuer austrocknen, ihre Büsten und Pilaster, Vo- luten und Rustikaquader aus dem Dämmerlicht des Nordens treten.

Auf einem Balkon hoch über der Reuss hatten sich drei Männer versammelt. Sie trugen elegante Anzüge und gestiku- lierten, wie es eher südlich der Alpen üblich ist. Oder stritten sie sich? Ich stellte mein Glas ab, vergaß die Zigarette im Aschenbecher. Bahnte sich da ein Handgemenge an?

Als der eine von ihnen stürzt, ist es zu spät zu reagieren. Ich kann nur zusehen, wie er das Geländer touchiert, sich über- schlägt und ins Wasser klatscht. Der Schreck ist lautlos; es ist zu heiß, als dass sich jemand die Mühe zu schreien machte.

Hätte ich so einen letzten Kriminalroman beginnen kön- nen? Warum sollte ich mir die Handlung nicht einfach ausden- ken, vom Anfang bis zum Ende, statt mich wie bisher auf wah- re Begebenheiten zu stützen? Ich hätte jederzeit alles unter Kontrolle, würde mich in keine amourösen Geschichten ver- stricken und könnte mich zum strahlenden Helden aufschwin- gen, der im richtigen Moment die richtige Entscheidung trifft und entschlossen zur Tat schreitet.

Ein Kellner am gegenüberliegenden Ufer beugte sich übers Geländer. Was sah er da? Ich bezahlte meine Rechnung und stand auf. Mir wurde schwindlig, aber das kannte ich. Nach einigen Sekunden war es vorbei.

Ich ging das linke Ufer entlang und blieb beim Nadelwehr stehen. Ich versuchte mir vorzustellen, wohin der leblose Kör- per treiben würde. Würde er sich im Rechen des Kraftwerks verfangen oder wäre es ihm vergönnt, entlang dem Stirnwehr in den unteren Flusslauf zu gelangen? Das Rauschen meiner Blutzirkulation überlagerte das Tosen des Wassers, ich konnte seinen Hauch auf meiner Haut spüren – alles war in Bewegung, alles strebte der smaragdgrünen Wasserzunge zu, in die sich zu versenken, Erlösung bedeuten müsste. Ich raffte mich auf und trat den Heimweg an.
Luzerner Rundschau, 6. Oktober 2014
20 Minuten, 7. Oktober 2014
041 Kulturmagazin, Oktober 2014
Lesefieber.ch, 16. Oktober 2014
Neue Luzerner Zeitung, 21. Oktober 2014
Krimi-Tipp Primärliteratur KTP des Bonner Krimi Archivs (BoKAS),  Nr. 86/Oktober 2014
Zentralschweiz am Sonntag, 26. Oktober 2014
Anzeiger Luzern, 29. Oktober 2014
ekz Bibliotheksservice, 2014/51
Buchprofile/Medienprofile, Nr. 2/2015
Schweizer Familie, 1. September 2016

«Der dritte Krimi des Luzerners ist eine an die Religionsthriller eines Dan Brown angelehnte Krimi-Groteske, mit viel Witz und einem raffinierten Spiel mit Realität und Fiktion.»  Schweizer Familie

«Beat Portmann hat hier ein ziemlich brisantes Thema gefunden, dem er mit sprachlichem Formbewusstsein nachgeht. Ausserdem zieht er in seinem dritten Krimi neben der eigentlichen Story ein raffiniertes Verwirrspiel um den Erzähler und Hauptprotagonisten auf.» 20 Minuten

«Mit welch herrlicher Sprache dieser Krimi geschrieben ist, und diese Figur, der Autor, der einen Krimi schreiben soll und dann die Verschwörungstheorien über die Religionen, ein hochspannender Plot! Aber ‹Vor der Zeit› ist zudem ein raffiniertes Schelmenstück, wie es einem nur sehr selten unterkommt. Ich verrate nur soviel: Beat Portmann, aber auch die Leute vom Limmat Verlag, die sind geradezu kriminell gut und haben es faustdick hinter den Ohren!» Lesefieber.ch

«Humorvoll und spannend erzählt der in Emmenbrücke lebende Autor eine Geschichte, die weit mehr ist als blosse Unterhaltung. Eine faszinierende Lektüre.» Anzeiger Luzern

«Man darf es laut sagen: ein tolles Buch!» 041 Kulturmagazin

«Bis zuletzt spielt die Geschichte mit der Fiktion, wahr zu sein: Offeriert werden zwei Enden, ein ‹erfundenes› und ein «wahres». Und wer genau liest, merkt, dass das ‹erfundene› weder vom Ich-Erzähler noch dem Strippenzieher stammt, sondern von einer dritten Figur. Das ist eine weitere von vielen Finessen, die dieses Buch zu einem Leckerbissen für verwöhnte Krimifans machen.» Neue Luzerner Zeitung

«Beat Portmanns ‹Vor der Zeit› bietet selbst geübten Krimilesern einiges zum Brüten: Die Handlung orientiert sich an Religionsthrillern à la Dan Brown, die Form entspricht einem Buch im Buch im Buch. Bis zuletzt spielt die Geschichte mit der Fiktion, wahr zu sein. Das ist eine der vielen Finessen, die dieses Buch zu einem Leckerbissen für verwöhnte Krimifans machen.» Zentralschweiz am Sonntag

«Erneut ein eher ruhiger Krimi aus der Schweiz, der seine Figuren in ihrem Beziehungsgeflecht mit einem Augenzwinkern darstellt und wie seine Vorgänger empfohlen werden kann. Wenn Portmann es wie sein Held hält, kann man wohl demnächst seinen ersten ‹grossen› Roman erwarten; man darf gespannt sein.» ekz

«Das Besondere an diesem Krimi ist, dass Autor und Leser sich gemeinsam über den Helden und auch die Handlung ein bisschen lustig machen können.» Buchprofile/Medienprofile

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