Pastorale
Erzählungen
Übersetzt von Peter Sidler / Mit einem Vorwort von Gérald Froidevaux
Broschur, 480 Seiten
vergriffen
Januar 1994
Bildrechte: KEYSTONE/ROGER VIOLLET/Gaston Paris
«Ich bin 1878 zur Welt gekommen, aber sagen Sie es nicht. Ich bin als Schweizer zur Welt gekommen, aber sagen Sie es nicht. Sagen Sie, dass ich im Pays-de-Vaud zur Welt gekommen bin, einem alten savoyischen Land – das heisst dem Languedoc, dem französischen Sprachraum zugehörig –, und an den Ufern der Rhone, unweit ihrer Quelle. Ich habe Altphilologie studiert; sagen sie es nicht. Sagen Sie, dass ich bestrebt war, kein Altphilologe zu sein, was ich im Grunde nicht bin, sondern ein Enkel von Winzern und Bauern, und es war mein Wunsch, ihnen Ausdruck zu geben. Doch ausdrücken heisst erweitern. Mein tiefstes Bedürfnis ist es, zu erweitern ... Ich bin ganz jung nach Paris gekommen; in Paris und wegen Paris habe ich mich kennen gelernt. Während zwölf Jahren habe ich jedes Jahr wenigstens einige Monate in Paris verbracht; und die Reisen von Paris heim und von daheim nach Paris sind meine einzigen Reisen geblieben! (Ausser jener, die ich aus Religion unternommen habe, der Rhone nach bis ans Meer, mein Meer.)»
Ramuz war mit Mitteilungen über seine Person äusserst sparsam. In seinem Tagebuch, das er vor der Veröffentlichung überarbeitete, findet man nur wenige Hinweise auf sein Privatleben. Sein umfangreicher Briefwechsel gibt nur Aufschluss über seine literarischen Projekte und über das kulturelle Leben der damaligen Westschweiz.
Ramuz wurde am 24. September 1878 in Lausanne geboren; sein Vater hatte ein Kolonialwarengeschäft und war später Weinhändler. Nach dem Collège classique besuchte Ramuz das Gymnasium und liess sich 1896 in der philosophischen Fakultät einschreiben. Ein Aufenthalt in Karlsruhe hinterliess wenig Erinnerungen, dafür den Entschluss, Dichter zu werden. Nicht ohne Schwierigkeiten erhielt er vom Vater die Erlaubnis, seine Studien in Paris fortzusetzen, um eine Doktorarbeit über den Dichter Maurice de Guérin zu schreiben. Daraus wurde nichts, dafür fand er sich in Paris als Dichter. Mehr als zehn Jahre verbrachte er – mit längeren Unterbrüchen – in Paris. Dort lernte er auch seine Frau kennen, die Malerin Cécile Cellier. Im Krieg lernte er Igor Strawinsky kennen; aus ihrer Zusammenarbeit entstand die «Histoire du Soldat».
Von 1926 an veröffentlichte der Pariser Verlag Grasset seine Werke. 1936 erhielt er den Grossen Preis der Schweizer Schillerstiftung. Ramuz starb am 23. Mai 1947 in Pully bei Lausanne.
Pressestimmen
«Ramuz ist das Modell eines Dichters, bei dem die genaue Regionalität Weltliteratur hervorbringt. Insofern ist er manchen der neuen lateinamerikanischen Autoren vergleichbar. Das harte, unsentimentale Leben von Älplern und Dörflern, wo Glück und Katastrophen hart beieinanderliegen, die Sonn- und Werktage einer untergegangenen Welt, Arbeit, Liebe, Tod, Elementarszenen des Lebens werden übertragbar und nachvollziehbar als Schicksal des Menschen in einer unteilbaren Welt. Seelenlandschaften und Gebirgswelt, das kleine Leben als das einzige verstanden, das Hier und Jetzt, in dem das Darüberhinaus und das Jenseits mit begriffen sind – das ist ‹Heimat›-Prosa auf allerhöchstem Niveau.» Du, Zürich
«Dieser Autor erzählt bereits um 1900 mit einer Modernität, die jeden Verdacht auf Heimatdichtung streng, ja brutal von sich weist. Seine Sprache wird aus der Landschaft hervorgetrieben, aus dem Gestein und blutenden Holz, aus dem ihre Protagonisten sind; es ist, als würde man in ein Gemälde hineinsteigen, das zugleich das hohe Gericht ist. Doch dieser Charles Ferdinand Ramuz, der es nie ganz bis in den deutschsprachigen Buchhandel geschafft hat, ist ein Grosser und also moralisch uneinnehmbar.» Das Magazin, Wochenbeilage des Tages Anzeiger
