Grand Hotel Excelsior

Grand Hotel Excelsior

Roman

Mit einem Nachwort von Fabio Pusterla

Meinrad Inglin – Gesammelte Werke in Einzelausgaben [2]

Leinen bedruckt. gebunden, 288 Seiten

noch nicht erschienen

ersch. 17. September 2026
ca. SFr. 38.–, 38.– €
ISBN 978-3-03926-114-7

Als der alte Patron des Kurhotels Sigwart stirbt, übernimmt sein Sohn Eugen und baut es zum Grand Hotel Excelsior «am schönsten Ort der Welt» aus. Sein Bruder Peter ist gegen diese Verschandelung der Natur, unternimmt aber nichts, die ängstliche Schwester Johanna ist unentschlossen, leitet trotzdem die Wäscherei.

Im Grand Hotel machen Europas Adel und reiche Unternehmer Ferien und lassen sich ihre Langeweile mit luxuriösen Mahlzeiten und Kurorchester vertreiben. Inglin konzentriert sich ganz auf seine Figuren, vom Saucenkoch bis zum Etagenkellner, von der progressiven jungen Französin bis zum schwulen Baron mit Interesse am jungen Personal. Dabei leuchtet Inglin den Kontrast zwischen Luxus und Armut ebenso aus wie die Angestelltenhierarchie. Und ganz allmählich gerät das System aus den Fugen, bis die Scheinwelt im grandiosen Finale niederbrennt.

Inglins Roman liest sich als Metapher einer Gesellschaft, die an der Wohlstandsschere untergeht, ebenso wie als frühen ökologischen Roman über die Entfremdung des Menschen von der Natur.

Meinrad Inglin
Bildrechte: Keystone / Photopress Archiv

Meinrad Inglin (1893–1971) aus Schwyz zählt zu den bedeutendsten Schweizer Schriftstellern. Nach Abbruch einer Uhrmacher- und Kellnerausbildung sowie des Gymnasiums studiert er Literaturgeschichte und Psychologie in Genf und Neuenburg. Arbeit als Zeitungsredaktor und ab 1923 als freier Schriftsteller. Für sein Werk (vor allem Romane und Erzählungen, einzelne Aufsätze, Notizen und eine Komödie) wurde Inglin vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grossen Schillerpreis und dem Gottfried Keller-Preis.

Gesammelte Werke in Einzelausgaben

Fabio Pusterla
Bildrechte: Archiv Marcos y Marcos

Fabio Pusterla, geboren 1957 in Mendrisio und Studium in Pavia, lebt in Norditalien und unterrichtet in Lugano am Gymnasium italienische Literatur. Er ist Lyriker, Essayist und Übersetzer aus dem Französischen und dem Portugiesischen, war Mitherausgeber der Zeitschrift «Idra». Mit seinem ersten Gedichtband «Concessione all'inverno» 1985 wurde er schlagartig bekannt. Aus dem Französischen hat er ein Grossteil des Werks von Philippe Jaccottet übersetzt.

Fabio Pusterla erhielt 1986 für sein Debüt den Premio Montale. Auch sein weiteres Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Premio Prezzolini und dem Premio Metauro, dem Gottfried Keller-Preis oder dem Vito Moretti Preis für sein Lebenswerk (siehe Bibliografie).

Porträt des Schriftstellers, SRF 1998: «Fabio Pusterla»

Dokumentarfilm von Francesco Ferri, 2018: «Libellula gentile – Fabio Pusterla»

«Ein glänzender Wurf.» Eduard Korrodi, Neue Zürcher Zeitung

1

Ein Mund schlürft Wasser aus dem Strom, aber der Strom braust ungestört vorüber; eine Hand bricht Blumen aus der Wiese, aber die Wiese treibt unverletzt immerzu Gräser und Blumen hervor; der Tod nimmt einen Menschen aus dem Leben, aber das Leben besteht unübersehbar fort.

Hier liegt ein Mann und stirbt. Er heißt Peter Sigwart und besitzt das große Kurhaus am See, aber es ist gleichgültig wie er heißt und was er besitzt, er fällt verwelkt aus seinem Kreise heraus, und sogleich wird die Lücke sich schließen. Gedämpfter Lärm umbrandet das Zimmer, in dem er liegt. Sein Ohr vernimmt als letztes den bebenden Schall des Gongs, der die Gäste zur Mahlzeit ruft, sein Auge erfaßt mit dem letzten Blick den Menschen, der im Leben an seine Stelle treten wird, dann bricht sein Auge, sein Ohr wird taub, er streckt sich schweigend aus und ist nicht mehr.

In der Mitte des halb verdunkelten Zimmers stehen Verwandte, bald flüsternd, bald stumm, in der peinlichen Spannung von Menschen, die nie an den Tod denken und nun seinen nahenden Griff nach einem der Ihren als ein furchtbares und unverständliches Ereignis empfinden. Sie können den Verfallenen selbst nicht sehen, ein Bruder, zwei Söhne und eine Tochter verdecken ihn, und sie wissen nicht, geschieht das Erwartete jetzt, oder ist es schon geschehen. Doch der kaum erträgliche Augenblick kommt, da Johanna mit zuckenden Schultern auf die Knie fällt, das Haupt über den Bettrand neigt und hemmungslos in die Stille hinein schluchzt. Erschrocken, aufgeregt und ratlos stehen sie da.
Der mütterlichen Familientradition folgend, beginnt Inglin eine Ausbildung in der Hotelbranche, mit praktischer Tätigkeit als Kellner in Caux und dem Besuch der Luzerner Hotelfachschule. Es erweist sich als ein Irrweg, der ihn buchstäblich bis an den Rand des Selbstmords bringt.
Vorbild Grand Hotel Axenstein (im Besitz der Familie mütterlicherseits): Johann Heinrich Müller, 1825–1894: Morschach, Hotel Axenstein (im Hintergrund: Uri-Rotstock), nach 1872. Radierung, handkoloriert, 5.9 x 10.0 cm
https://www.meinradinglin.ch/artikel/grand-hote-axenstein/
 
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