Schonzeit
gebunden mit Schutzumschlag, 228 Seiten
Februar 2010Miruna Lupescu, eine junge Schweizerin rumänischer Abstammung, die sich ihren Lebensunterhalt mit Übersetzungen verdient, lebt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung, ihrem «Turm». Besuch bekommt sie allein von Julius, mit dem sie eine zwiespältige Beziehung verbindet. Einmal im Monat trifft sie sich mit ihrer Schwester Anna, die ihr auch den Auftrag zuhält, die 'Briefe an den Sohn meiner Tochter' eines Gabriel Alexandru aus dem Rumänischen zu übersetzen. Miruna sucht die Begegnung mit dem Adressaten dieser Briefe, Johann Tschanun, und es beginnt eine Reise ins Ungewisse, auf die sie sich nur widerwillig einlässt.
Isabelle Stamm legt einen faszinierenden Roman vor, in dem sie die Familiengeschichten zweier junger Leute ineinander verwebt.
'Am stärksten ist Isabelle Stamm dort, wo sie auf knappem Raum ohne zu psychologisieren eine Begebenheit herausarbeitet.' Der Bund

Bildrechte: Limmat Verlag
Pressestimmen
«Mit ‹Schonzeit› einem kriminalistisch durchwirkten Roman, beweist die 33-jährige Aarauer Autorin nach ihrem Debüt ‹Zwillings Welten› (2008) erneut ihre Fähigkeit, verschiedene Erzählebenen formal gekonnt zu verknüpfen. Auch gelingt es ihr wieder, trotz unterschiedlichen Handlungssträngen ein stimmiges Ganzes entstehen zu lassen. Und sie hat ein ausgesprochenes Gespür für Geschichten und spannungsvolles Erzählen.» Aargauer Zeitung
«Der schöne und schonungslose Roman ‹Schonzeit› erzählt von einer jungen Liebe, die auf die Probe gestellt wird. Das Buch besticht durch seine lebensechten Figuren und eine packende Familiengeschichte.» DRS 3
«Eine subtil konstruierte Geschichte zu den Geheimnissen zweier Familien» Reflexe, DRS 2
Entdecken
Wir sind alle etwas Besonderes, Äffchen.
Hör auf, mich Äffchen zu nennen.
Dann hör auf, beim Sex wie eines zu schreien.
Ich trage das Glas in die Küche zurück, fülle es wieder mit Wasser und trinke es aus, stehle mir so ein, zwei Minuten mit mir allein. Mein Kopf brummt. Ich kehre ins Zimmer zurück. Julius hat sich auf die Matratze gesetzt und schaut mir entgegen, fragt, ob ich etwas zu rauchen habe. Ich werfe ihm das Päckchen Zigaretten, das auf dem Tisch liegt, in den Schoß, doch er schüttelt den Kopf. Was denn, frage ich gereizt, er sagt, Gras, und ich, er wisse doch, wie teuer das Zeug sei, worauf er eine Grimasse schneidet. Ich zahl dir auch was dafür. Widerwillig klaube ich die angefangene Maria aus dem Aschenbecher, zünde sie an und nehme neben Julius Platz, reiche ihm den Joint, schaue zu, wie er sein Ende mit den Lippen umschließt und daran zieht. Wir rauchen abwechslungsweise. Nach einer Weile schaut er an mir vorbei und sagt: Dein Rabe kommt zu Besuch. Ich wende den Blick zum Fenster. Auf dem Sims hockt der Rabe und späht aus schwarzglänzendem Auge ins Zimmer. Wie eine Botschaft aus einem Traum. Als wäre er eben meiner und Julius' Phantasie entsprungen, zeitgleich, als wollten wir durch ihn zueinander sprechen.
