Nah bei Dir

Nah bei Dir

Briefe 1978–1996

Herausgegeben von Angelica Baum

gebunden, 8 s/w Fotografien, 896 Seiten

Oktober 2024
SFr. 48.–, 44.– € / E-Book SFr. 38.–
ISBN 978-3-03926-079-9
*Leseprobe

Bis kurz vor ihrem Tod berichtet Adelheid Duvanel der befreundeten Autorin Maja Beutler fast in Echtzeit aus ihrem Leben, monatlich, manchmal täglich. Parallel dazu ihre Korrespondenz mit dem Lektor Klaus Siblewski, der sie bis an ihr Lebensende begleitet, in Krisen zum Weiterschreiben ermutigt, ihr hilft, Werkbeiträge und Stipendien zu erhalten. Lakonisch bis selbstironisch, manchmal aber auch verzweifelt erzählt Adelheid Duvanel aus ihrem schwierigen Alltag, von den Aufenthalten in der Klinik, von der desaströsen Beziehung mit ihrem Mann Joe, von der Drogensucht und Aidserkrankung der Tochter. 

Aber auch vom Schreiben und Lesen handeln die Briefe, der Figurenkreis der Erzählungen taucht auf, manche Szenen sind sogar wörtlich in die Texte eingegangen.

«Nah bei Dir» ist eine Art Tagebuch in Briefform, ein nüchternes Protokoll über ein schweres, unerträgliches Leben und das erschütternde Selbstporträt einer Autorin, die den widrigsten Umständen lange standhält und ihnen grosse Kunst abringt.

«Die Erzählungen dieser außerordentlichen Dichterin einer schwarzen Anthropologie erhalten mit diesem erschütternden Briefband eine Fortsetzung: Sie sind von nun ab Teil des Werks einer immer noch und immer wieder zu entdeckenden herausragenden Schriftstellerin.» Michael Krüger

1. 6. 1994

Sehr geehrter Herr Doktor Siblewski,
heute sind die drei Bücher «Gnadenfrist» angekommen und ich habe in eins folgende Widmung für den Arzt geschrieben, der mich nur missverstanden hat: «Gesprochene Worte verstehen wollen ist vielleicht wie Fische fangen wollen in der Luft.» Ich überreichte ihm das mit diesem Satz «bereicherte» Buch demütig, aber hochmütig. Er hat sich sehr bedankt. Wir haben einander mit unschuldigen Augen angeblickt.

Adelheid Duvanel
Bildrechte: Norma Hodel

Adelheid Duvanel, geboren 1936 in Pratteln und aufgewachsen in Liestal, machte eine Lehre als Textilzeichnerin. Sie arbeitete auf verschiedenen Bürostellen sowie als Journalistin und Schriftstellerin. Von 1962–1981 war sie mit dem Kunstmaler Joseph Duvanel verheiratet, mit dem sie eine Tochter hatte. Bis auf ein Jahr auf Formentera lebte sie in Basel, wo sie 1996 starb. Ihre schriftstellerische Laufbahn begann sie unter dem Pseudonym Judith Januar in den Basler Nachrichten, in Anthologien und literarischen Zeitschriften. Ab 1980 erschienen ihre Erzählbände im Luchterhand Verlag. Duvanel wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grossen Schillerpreis und dem Kranichsteiner Literaturpreis.


Angelica Baum
Bildrechte: Bernadette Strässle

Angelica Baum, geboren 1956 in Sierre, studierte Klavier, Orgel, Philosophie, Literatur und Musikwissenschaft. Zusammen mit Birgit Christensen ist sie Herausgeberin der Briefe von Julie Bondeli, vier Bände, Chronos Verlag 2012.

«‹Nah bei Dir› ist eine unbequeme, aber in vielerlei Hinsicht erhellende Lektüre. Die Briefe zeigen, welch existenzielle Dimensionen das Schreiben für Adelheid Duvanel hatte und wie klar sie dennoch zwischen der Funktion ihrer Korrespondenz und dem Anspruch an ihre Literatur unterschied.
‹Fern von hier› und ‹Nah bei Dir› zusammen dokumentieren das Gewicht dieser Autorin, die der deutschsprachigen Literatur hoffentlich nie mehr vergessen geht.» Daniel Graf, Republik

«Selbst Franz Kafka hat nicht so unerbittlich präzise über Benachteiligte, Versehrte, Ausgestossene, Alleingelassene und Todtraurige geschrieben wie die Schweizerin Adelheid Duvanel. Ihre Briefe protokollieren ‹schwärzeste Gedanken› und sind erkennbar das Rohmaterial für ein grossartiges erzählerisches Werk.» Die Zeit Wissen

«Der Briefband ist ebenso intensiv und ergreifend zu lesen wie die Briefe von Friedrich Glauser: ein bedeutendes literarisches Dokument der 80er- und 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts.» Hansjörg Schneider, Basler Zeitung

«Ein wunderbarer Gegensatz zwischen diesen Briefen mit ihrer unglaublichen Ausführlichkeit und dem, was Adelheid Duvanel in ihren Prosabänden vorgelegt hat.» Rainer Moritz, Deutschlandfunk Kultur

«Adelheid Duvanels mäandernde Briefe sind so authentisch wie ihre gemeisselte Prosa.» Manfred Papst, NZZ am Sonntag

«Mit der Schonungslosigkeit ehrlicher Selbstzeugnisse wird das ganze familiäre, ökonomische und gesundheitliche Unglück offengelegt, das Duvanels Leben war.» Leander Berger, Deutschlandfunk Büchermarkt

«Die letzten dreihundert Seiten des Briefbands lesen sich dermaßen unheilvoll, dass man sich ständig fragt, wie diese moderne Hiob-Frau es überhaupt noch schaffte, nebenher ihre großartigen Kurzgeschichten zu schreiben. Das wirkt angesichts ihrer absolut desaströsen Lebensumstände in den letzten zehn Jahren wirklich wie ein Wunder!» Gisa Funck, Welt

«Die Sammlung ihrer Briefe, die sie von 1978 bis 1996 geschrieben hat, trägt nun den Titel ‹Nah bei Dir›, was durchaus passend erscheint, da sie in ihnen stets versucht, mit intimsten Details gefüttert, eine Nähe zu den Adressatinnen und Adressaten herzustellen.» Matthias Reichelt, nd-aktuell.de

«Man gewinnt Einsicht in das Leben, die Überlegungen und Sorgen einer brillanten Künstlerin, die früh starb und spät von einem grösseren Publikum entdeckt wurde.» Selina Widmer, Schweizer Buchjahr

Duvanels Schreibstil ist von bestechender Präzision und ihre Sprache vereint lakonische Kürze mit bildgewaltiger Intensität.» Susanne Korbel, ekz bibliotheksservice

«Dies ist die Leidensgeschichte einer Autorin, die heute zu den bedeutendsten Stimmen der literarischen Schweiz zählt. Sie ist nicht mit Romanen hervorgetreten, sondern mit jener Gattung, die als wenig verkaufsträchtig gilt: mit kurzen Erzählungen. In diesen Miniaturen leben Gestalten von ausgesprochener Fragilität, mit bedrohtem Selbstwertgefühl behaftet, einsamkeitsliebend und gleichwohl nach Nähe dürstend, nach Verständnis und Geborgenheit. Dabei äussern sie eine Art von verschmitztem Humor, von Selbstironie, sind aber lebensuntüchtig, mehr den Träumen als der Realität zugeneigt. Man liest sie mit stockendem Atem und wird danach Duvanels Werk noch höher schätzen als zuvor.» Beatrice Eichmann-Leutenegger, Pfarrblatt

«Eine Offenbarung. Was für ein Werk!» Marina Büttner, Literaturleuchtet

«In ihren Briefen leuchtet diese sprachliche Genauigkeit auf, vor allem die Diskrepanz zwischen gelebter und empfundener Wirklichkeit. Die Entdeckung der Briefe von Adelheid Duvanel ist– wie schon die gesammelten Erzählungen – ein unverhofftes Geschenk.» Thomas Hummitzsch, intellectures.de

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