Time Is Now

Time Is Now

Popmusik in der Schweiz heute

Mit Texten von Christoph Fellmann, Carole Gröflin, Ane Hebeisen, Martina Kammermann, Hanspeter Künzler, Lena Rittmeyer, Christophe Schenk, Adrian Schräder, Renzo Wellinger / Herausgegeben von Hedy Graber, Dominik Landwehr, Philipp Schnyder von Wartensee

Pop Music Culture [1]

Broschur, 1. Auflage, Fotos, 192 Seiten

Oktober 2016
SFr. 19.50, 19.50 € / E-Book SFr. 15.90
ISBN 978-3-85791-817-9

Die Schweizer Popmusik ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und seit einigen Jahren feiern jüngere Musikerinnen und Musiker auch international Erfolge, etwa Sophie Hunger, Bonaparte und Valeska Steiner von Boy. Und seit Ende der Neunzigerjahre hat sich eine kreative Umgebung entfaltet, zu der neben den Musikern auch Clubs, Festivals, Labels, Radiostationen, Szenenmagazine und anderes mehr gehören.

Und doch gelten Popmusiker in der Schweiz noch immer als Amateure. Dass ihre Erfolge Resultat harter Arbeit, einem breiten Networking und auch jahrelanger Förderung sind, wird kaum wahrgenommen.

«Time Is Now» thematisiert diese Situation mit Hilfe von Geschichten und Analysen und will das Bewusstsein für die Vielfalt, die Professionalität, aber auch für die Herausforderungen der Popszene fördern. Das Buch richtet sich dabei an Musikinteressierte in der Schweiz sowie an Musikprofis im deutschsprachigen Ausland.

Seit rund zwanzig Jahren fördert das Migros-Kulturprozent die Popkultur und hat damit zum wachsenden Erfolg dieser Kultursparte beigetragen.

«In einer Buchreihe lässt das Migros-Kulturproduzent die Schweizer Popszene untersuchen. Thematisiert wird in verschiedenen Beiträgen und Essays der digitale Wandel im Popgeschäft und -handwerk.» Tages-Anzeiger

«Die Schweizer Popmusik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Grund genug für eine Bestandsaufnahme die nun in Buchform vorliegt, um die Vielfalt und Herausforderungen der Popszene zu würdigen und bleuchten.» Musikzeitung Loop

«Popsongs am Radio werden von Computern gemischt, die Schweiz hat eine der höchsten Konzertdichten Europas, und an einem einzelnen Stream verdienen Künstler zwischen 0.001 und 0.007 Franken. Diese und weitere spannende Fakten rund um helvetische Popmusik gibt es im Büchlein ‹Time Is Now› nachzulesen.» Berner Zeitung

«Mit zwölf Beiträgen von ausgewiesenen Fachleuten sowie Porträts und Gesprächen liefert ‹Time Is Now› eine Bestandesaufnahme zur Popmusik in der Schweiz, ergänzt um ein Glossar, Zahlen Fakten und Literaturhinweise.» Programmzeitung

«Auf 192 Seiten werden unterschiedliche Themen wie das Konzertland Schweiz, die Monetarisierung von Musikvideos oder die Musikszene der Romandie behandelt. Eine breite Themenpalette.» Schweizer Musikzeitung

Popmusik ist mitten in der Gesellschaft angekommen. Sie tönt aus dem Kinderzimmer, dröhnt vom Pausenplatz und hat die Altersheime erreicht. Sie füllt Stadien, Lifte, Autos, Kopfhörer, Clubs, Wohnzimmer, Shops, Übungsräume. Wir hören Englisch, Mundart oder Bum-Tz-Bum-Tz. Wenn sie nicht schon da ist, tragen wir sie mit dem Smartphone hin. Erstaunlicherweise lieben wir sie immer noch.

Wir bewundern Beyoncé auf Youtube, hören Bob Dylan auf Vinyl und kaufen Tickets fürs Montreux Jazz Festival. Derweil heisst der Deutschschweizer Star der Gegenwart Bligg. Er ist zum Musikprofi geworden in einer Zeit, die inhaltlich wenig, aber technisch viel Neues gebracht hat. Die digitale Revolution hat in Form von MP3, illegalen Tauschbörsen wie Napster und Streamingdiensten die Popmusik als erste Kultursparte durchgeschüttelt und entmaterialisiert. So ist die Innovation der Musik treu geblieben, auch wenn keine neuen Akkorde und identitätsstiftenden Frisuren erfunden worden sind. Den Ton gibt heute nicht mehr das kritische Musikgenie, sondern das verknüpfende Internet an. Und das Netz ist noch nicht fertig gewoben.

Vor zwanzig Jahren haben wir beim Migros- Kulturprozent begonnen, das Popmusikfestival m4music auszuhecken. Es sollte ähnlich dem Internet ein Treffpunkt sein, der Grenzen überwindet, Wissen verbreitet, zum Networking einlädt und Bands eine Plattform bietet. Wir haben bei ausländischen Festivals spioniert, Brücken in die Romandie geschlagen und 1998 das erste «M for Music» in Zürich auf die Beine gestellt. Inzwischen ist m4music zum Zentrum unserer Förderaktivitäten im Bereich Pop geworden. Wichtigstes Ziel damals wie heute: die fortschreitende Professionalisierung der Schweizer Popmusikszene mit Projekten und Finanzierungsbeiträgen zu unterstützen. Einige Themen haben uns immer besonders interessiert: der Wandel, den die Musik durch das Internet erfährt, die Förderung von Strukturen bei den Indielabels oder der Zugang zu neuem Publikum dank Videoclips und dem Vermittler Swiss Music Export. Dieses Interesse spiegelt sich auch in der vorliegenden Publikation «Time Is Now», die wir nicht nur als handfestes Buch veröffentlicht haben, sondern auch als frei zugängliche Website.

Obwohl Popmusik auch in der Schweiz im Leben so vieler Menschen eine wichtige Rolle spielt, existieren zum Thema erstaunlich wenig Publikationen mit hiesigem Absender. Das hat uns motiviert, einige der führenden Popmusikjournalistinnen und -journalisten anzufragen, ausgewählte Themen zu beleuchten und dabei folgende Fragen im Hinterkopf zu behalten: Wie ist der Zustand der Schweizer Popmusikszene? Was zeichnet sie aus? Wo liegen Potenziale und Chancen? Was braucht es, damit sich diese entwickeln können und besser wahrgenommen werden?

Die Leserin oder der Leser vermisst vielleicht den einen oder anderen grossen Namen. Das hat drei Gründe. Erstens: Diese Publikation fokussiert auf die Gegenwart – Darstellungen zur Geschichte der Schweizer Popmusik existieren ja bereits einige. Zweitens: Der Förderschwerpunkt des Migros-Kulturprozent liegt auf einheimischer Musik, neuen Talenten und unabhängigen Strukturen – und damit also auf Künstlern ausserhalb des breiten Mainstreams. «Time Is Now» ist kein Verzeichnis von Schweizer Popbands, sondern eine reflexive Momentaufnahme, wobei auch Musikerinnen und Musiker so oft wie möglich selber zu Wort kommen, so in den beiden längeren Interviews mit Fabian Chiquet, Jimi James und Brandy Butler. Joy Frempong, Marcel Blatti und Tobias Jundt leben in Berlin und im Gespräch erzählen sie, was es für Vorteile hat, ausserhalb der Schweiz zu leben. Und wie erging es der Nachwuchshoffnung Faber auf seiner Tour durch Deutschland? Carole Gröflin hat den Sänger begleitet. Adrian Schräder schliesslich leuchtet in eine weitgehend unbekannte Nische des Schweizer Pops und zeigt, welche Rolle Rap bei Künstlern mit Migrationshintergrund spielt. Pop wird hier zu einem Medium der Identitätsstiftung. Dass diese Szene noch nicht auf dem Radar der Integrationsförderung aufgetaucht ist, macht sie erst recht authentisch.