Lautmalerei und Wortbilder I
Autoren schreiben über Kunstwerke aus dem Römerholz
Mit Texten von Jürg Amann, Ivan Farron, Friederike Kretzen, Hugo Loetscher, Pierre Michon, Fabio Pusterla, Peter Stamm, Christian Uetz, Peter Weber, Urs Widmer / Mit einem Nachwort von Stefan Zweifel / Herausgegeben von Sammlung Oskar Reinhart "Am Römerholz", Winterthur
Broschur mit Schutzumschlag, Abb. auf 10 Ausklapptaf. , französisch, 222 Seiten, 13 Abb.
vergriffen
März 2007Schriftsteller und Künstler geraten gemeinsam auf die doppelt schiefe Ebene: Experten der Sprache begegnen Meisterwerken der europäischen Malerei und haben aus dieser 'Schräglage' das schönste Kapital geschlagen. Die Sammlung Oskar Reinhart 'Am Römerholz' in Winterthur hat eine Autorin und neun Autoren eingeladen, über ein Werk ihrer Wahl aus der Sammlung zu schreiben. Die Texte wurden zunächst am Ort der Inspiration, in der Gemäldegalerie der Villa 'Am Römerholz', gelesen und finden nun in diesem bibliophilen Band zu einem facettenreichen Tableau zusammen. Der Bogen spannt sich von Erzählungen, die durch die Szenerie der Bilder angeregt wurden, über ästhetische Reflexionen, die assoziativ aus den Werken gesponnen sind, bis hin zu grundsätzlichen Erörterungen über das Problem des Schreibens über Kunst oder eindringlichen Schilderungen zur Situation der Schreibenden vor dem Bild. Die Veranstaltungsreihe und die Publikationsreihe sollen fortgesetzt werden.

Bildrechte: Ute Schendel

Bildrechte: Archiv Marcos y Marcos
Fabio Pusterla, geboren 1957 in Mendrisio und Studium in Pavia, lebt in Norditalien und unterrichtet in Lugano am Gymnasium italienische Literatur. Er ist Lyriker, Essayist und Übersetzer aus dem Französischen und dem Portugiesischen, war Mitherausgeber der Zeitschrift «Idra». Mit seinem ersten Gedichtband «Concessione all'inverno» 1985 wurde er schlagartig bekannt. Aus dem Französischen hat er ein Grossteil des Werks von Philippe Jaccottet übersetzt.
Fabio Pusterla erhielt 1986 für sein Debüt den Premio Montale. Auch sein weiteres Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Premio Prezzolini und dem Premio Metauro, dem Gottfried Keller-Preis oder dem Vito Moretti Preis für sein Lebenswerk (siehe Bibliografie).
Porträt des Schriftstellers, SRF 1998: «Fabio Pusterla»
Dokumentarfilm von Francesco Ferri, 2018: «Libellula gentile – Fabio Pusterla»
Pressestimmen
«Wie ist ein Kunstwerk in Worte zu fassen, ohne es durch Banalitäten zu verraten? Der Tessiner Lyriker Fabio Pusterla tastet sich sachte an die ihm und neun weiteren Autoren gestellte Aufgabe heran, ein Gemälde aus der Sammlung Oskar Reinhart Am Römerholz gewissermassen auf Dichterhöhe zu heben. In der Tat serviert uns der diesjährige Gottfried-Keller-Preisträger im soeben erschienenen Paperback ‹Lautmalerei und Wortbilder› ein literarisches Kabinettstück zu den Lachstranchen Goyas!» Tages-Anzeiger
«Klug. Aufschlussreich, dieses Büchlein!» Basler Zeitung
«Ein ausnehmend schönes Buch.» St. Galler Tagblatt
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Mariantonia Reinhard-Felice
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Die Kunst braucht einen Betrachter. Dies muss auch der Historiker einsehen, dessen Aufgabe eigentlich die Interpretation des Kunstwerkes aus der Perspektive seines Schöpfers und seiner eigenen Zeit ist, und es deshalb zulassen, dass diese «Schutzzone» gebrochen wird, wenn es die Bedürfnisse des aktuellen Betrachters verlangen. In der Zeit der Globalisierung sucht dieser Betrachter nach interdisziplinären Verbindungen, die ihn über die Grenzen des Faches Kunstgeschichte hinausführen, um neue Deutungen und Sichtweisen zu finden, die nicht nur einen anderen, sondern auch einen sehr persönlichen Zugang zur Kunst bieten. Eine solche Erweiterung der kunstwissenschaftlichen Methode zu einer mehr emotionalen oder subjektiven Rezeption hin kann auch dem Kunsthistoriker Gelegenheit geben, festgefahrene Meinungen zu hinterfragen. Tatsächlich haben die dichterischen Herangehensweisen die Aufmerksamkeit nicht weniger Kunsthistoriker im Publikum auf von ihnen bislang nicht bemerkte Details gelenkt, die ihre historische Betrachtung bereichern können. Darüber hinaus beweist eine solche Aktualisierung der Kunstwerke ihre die Zeit überdauernde Vitalität. Doch auch wenn dieser subjektive Ansatz seine Berechtigung hat und er den Betrachter ermutigen kann, sich mit Bildern auseinanderzusetzen und sie für sich zu entdekken, bleibt es die Aufgabe des Kunstwissenschaftlers, Erkenntnisse über Bilder und Künstler in anschaulicher Form zu vermitteln, die auf langjähriger Forschung basieren. Indem sie mehr über das Kunstwerk in Erfahrung bringen, können sie bewirken, dass wir schliesslich auch mehr über uns selbst erfahren. Denn genauso wie die Kunst einen Betrachter braucht, benötigt der Betrachter die Kunst: «Cranach und ich», ein solches Thema kann erst entwickelt werden, wenn der Kunstwissenschaftler durch seine Forschung den Künstler Lukas Cranach überhaupt erst definiert hat. Diese Notwendigkeit einer Reflexion über die Zusammenführung der persönlichen und der historischen Betrachtung berührt die Frage nach dem methodischen Ansatz, mit Kunst umzugehen. Aber Sie tangiert keineswegs die literarische Qualität der Sprachbilder. Unabhängig von dieser Frage haben die zehn Autoren ein faszinierendes und neues literarisches Kapitel aufgeschlagen, das dem Museum seine Bilder neu schenkt. So können wir uns doch Stefan Zweifels indirekter Antwort auf unsere Hauptfragen anschliessen und folgern, dass wahrscheinlich gerade die Entzweiung zwischen Kunst und Literatur ein literarisches Sprachbild überhaupt erst ermöglicht.
